Mittwoch, 18. Oktober 2017

Familientag auf der Frankfurter Buchmesse am 14.10.17




Familientag auf der Frankfurter Buchmesse am 14.10.17
Meine Familie hat beschlossen, daß sie auch auf die Buchmesse wollen, Leipzig sei doch schön gewesen. Oh je, den Samstag mit Kindern auf der Buchmesse, war das ihr Ernst?
War es!
Also sind wir ganz früh los, um zur Eröffnung, wenn es noch nicht so voll ist, schon mal ruhig zu schauen. Na ja, ich war wohl ziemlich hektisch, weil ich den Kindern einen guten Überblick über Halle 3.0 vermitteln wollte ehe es losgeht und jeder von uns vieren hatte seine eigenen Vorstellungen und Erwartungen. Sie sahen cbj und cbj audio und da mussten wir hin! Tatsächlich, sie erkannten einiges aus unseren Regalen wieder und das mußte mit einem Foto gefeiert werden. Man konnte sich mit kleinen Gimmicks wie Bart, Hut, Brille und diversen Filtern fotografieren, ausdrucken und sogar auf sozialen Netzwerken teilen lassen. Unser Familienbild ist sehr schön geworden, doch als ich ein einzelnes Foto machen wollte, weil ich eh eins brauche und ich ja sonst immer hinter der Kamera bin, schlichen sich heimlich so zwei kleine Lümmels ins Bild.
Kaum hatten wir den Stand verlassen, sprach uns ein Messemitarbeiter an, daß ein Berliner Fotokünstler für eine Fotoinstallation Kinder mit Büchern fotografieren würde und man ein Poster erhielte. Da wir gerade in Fotolaune waren, machten wir auch das mit ;)
Wir staunten, was es samstags alles Tolles für Kinder gibt, und als wir bei Arena gerade unsere Zungentatoos fertigten, traf ich wieder Leseratte Anni. Es ist doch schön, wie klein die Lesewelt sein kann. Und schon zogen wir weiter und um Flora Flitzebesenhüte und wunderschöne Lollis bereichert verließen wir auch noch den Coppenrath/die Spiegelburg Stand, um bei Oetinger einen lebenden Baum zu bewundern. Endlich lernten wir dann den hinreißenden Zombert von Kai Pannen bei Tulipan kennen, ehe ich zu einem Meet & Greet mit
Emily Bold von Vorablesen ging. Sie stellte sich kurz vor, erzählte von ihren Ängsten unter anderem vorm Reisen und ihrer Geheimwaffe „Google Street View“, um den Weg vorab zu planen. Sie ist sehr sympathisch und plauderte von der Panik, wenn die eigenen Bücher plötzlich bekannt werden und die Leser einen durch die Bücher kennen, die Autoren jedoch keinen Einblick in die Seele ihrer Leser haben. Schon vor ihrer Lesung aus ihrem neuen Buch „Der Duft von Pinienkernen“ stand für mich fest, von dieser Autorin möchte ich mal ein Buch lesen. Nach der Lesung aus dem Roman über die Halbitalienerin Greta, die mit ihrer besten Freundin Katrin stets unzertrennlich war, bis Katrin ihr nach einem Faux-pas von Greta die Freundschaft beendet und eine kulinarische Reise durch Italien mit dem stoffeligen Fotografen Stefan, um ein Kochbuch nach den Familienrezepten ihrer Oma zu schreiben, wollte ich dies immer noch. Zum Glück befand sich Emily Bolds „Lichtblaue Sommernächte“ in meiner Vorablesen-Goodie-Bag.
Als wir uns dann wieder in die Halle zurück gekämpft hatten, war es so voll, daß mein Mann wieder fahren wollten. Da flüchteten wir schnell ins „Schwedenhäuschen“ des Oetinger Verlages, einem kleinen abgetrennten Leseräumchen mit den aktuellen Oetinger Titeln und Sitzwürfeln. Ehe die Lesung aus „Henry Smart“ von Frauke Scheunemann losging, lasen wir also einfach „Pandora und der phänomenale Mr. Philby“ weiter, da die Lesung mit Sabine Ludwig krankheitsbedingt gestrichen war. Sehr angenehm, um ein wenig Ruhe zu finden, in all dem Trubel. Auf die promovierte Juristin mit vier Kindern, die dann doch lieber Romane als juristische Texte schreibt, war ich dann gespannt und Johanna liebt Henry Smart ja ohnehin. Sie erzählte von ihrem Sohn Henri, der auch unbedingt mal in einem von Mamas Büchern vorkommen wollte, nicht immer nur seine Schwestern und somit Pate für Henry Smart stand. Als gebürtige Rheinländerin konnte sie sich so den Wunsch, die Niebelungensage in einem Roman zu verarbeiten erfüllen. Natürlich stand sie auch für Fragen zur Verfügung, aber später hatten wir noch die Gelegenheit sie noch viel mehr zu löchern.
Entspannt machten wir uns auf, zu unserem Termin mit dem Jumbo Verlag. Die Entspannung ließ aber schnell nach, angesichts der Menschenmassen. Überall waren wohl gerade die Tageshighlights im Gange und siehe da, um den Jumbostand herum war es nicht anders! Während wir mit der Bloggerbetreuerin vom Verlag sprachen, saß nur durch eine dünne Wand von uns getrennt Marcus Pfister, der Autor des Regenbogenfisches, dessen Hörbücher Jumbo verlegt und signierte. Wenn wir dachten, es wäre gewagt, mit 10 und 8 jährigen Kindern auf die Buchmesse zu gehen, staunten wir erst recht über die Kleinkinder in den Schlagen die geduldig auf den Vater des Regenbogenfisches warteten. Doch uns interessierte nur die Verlagsvorschau auf das kommenden Frühjahrsprogramm, wo schon zu Jahresbeginn das neue „Lotterleben“ von Alice Pantermüller und Daniela Kohl erscheint (die zwei haben wir dann hinwegs auch noch getroffen, aber ohne Foto, dafür war keine Hand mehr frei, ich wollte doch gerne meine Kinder nicht verlieren). Es stehen wieder tolle noch Kinder- Jugend- und Erwachsenenhörbücher auf dem Plan und zu den Top-Titeln sind auch Blogtouren geplant.
Uff, wie sollten wir von dort aus denn nun wieder zu Coppenrath kommen, wo wir noch Antje Szillat treffen wollten? Der Klang des Leonie Looping Liedes zog die Kinder magisch zum Ravensburger Verlag, von Constanze von Kitzing, die Illustratorin sich viel Zeit für ihre kleinen Feenfreundinnen nahm.

Der Frauenchor von Chilbury – Jennifer Ryan, gelesen von Jasna Fritzi Bauer, Andrea Sawatzki, Elena Wilms, Monika Oschek und der Frauenchor Encantada, Argon Verlag



Der Frauenchor von Chilbury – Jennifer Ryan,  gelesen von Jasna Fritzi Bauer, Andrea Sawatzki, Elena Wilms, Monika Oschek und der Frauenchor Encantada, Argon Verlag
England, Grafschaft Kent im Frühjahr 1940: Die meisten Männer des Dorfes Chilbury sind im Krieg, nur die alten Kranken oder kleine Jungs sind noch dort. Da beschließt der Pastor, daß der Chor aufgelöst wird, da ein Chor ohne Männerstimmen nicht funktioniere. Einige Frauen sind empört, hat ihnen das Singen in der Gemeinschaft das Leben in der schwierigen Zeit erleichtert. Doch kaum zieht die leicht exzentrische, lebenslustige Musikprofessorin Primrose Trent ins Dorf und hört  von der Chorschließung, lässt sie ihn als Frauenchor von Chilbury unter ihrer Leitung wieder auferstehen. Sie fördert Talente, spricht Mut zu und versprüht Lebensfreude. Nur weil die Männer im Krieg sind, ist das kein Grund sich unterkriegen zu lassen! So erzählen vier Chormitglieder ihr Schicksal im Sommer 1940 aus ihrer Sicht: die verwitwete Krankenschwester Mrs. Tilling, die ermuntert und trostspendet, die raffgierige, skrupelose Hebamme Edwina, die nur mitsingt, um über den Chor an Informationen zu gelangen und die zwei unterschiedlichen Schwestern Kitty (13) und Venetia (18). Die schöne Venetia verdreht allen Männern die Köpfe, einfach nur, weil sie es kann, doch der gutaussehende Neuzugang Alastair Slaytor, scheint immun gegenüber ihren Reizen. Kitty träumt davon eines Tages eine berühmte Sängerin und mit Henry Brompton dem Sohn der reichsten Familie des Ortes verheiratet zu sein. Doch der Krieg ändert vieles, einige wachsen an den Herausforderungen, andere zerbrechen an dem Erlebten und Frauen werden sich ihrer Stärken und ihres Wertes bewußt.
Wer eine Geschichte vor allem eines Chores erwartet, der sollte vielleicht eher zu einem anderen Hörbuch greifen. Ja, es werden Passagen von Chorstücken angespielt und der Chor und seine Leiterin spielen auch eine Rolle, aber eben nicht die Hauptrolle. Anders als Geschichten wie „Die Kinder des M. Mathieu“ oder „Wie im Himmel“ ist dies vor allem ein Frauenroman, über vier sehr verschiedene Frauenschicksale im Kriegsjahr 1940, als das Leben nicht einfach war, aber das Schlimmste noch vor ihnen liegt. Wie und ob die 4 den Krieg überleben, bleibt der Fantasie der Zuhörerin überlassen, denn es werden nur die zentralen Schicksalserlebnisse dieses Sommers erzählt. Wer bereit ist sich darauf einzulassen und seine Erwartungen nicht zu sehr auf den Chor fixiert, darf sich auf emotionale und bewegende Frauenschicksale und teilweise empörende Intrigen freuen. Ob der Chor in der Romanvorlage für diese gekürzte Hörfassung eine größere Rolle spielt, vermag ich nicht zu beurteilen.
Ich fand den Aspekt der fast-männerlosen-Gesellschaft sehr interessant und wie der Krieg dadurch die Emanzipation wahrscheinlich viel stärker voran brachte, als vielen bewußt ist. Interessant fand ich auch daß es sich hier lediglich um die Kriegsbeginn handelt, die wirklich schlimmen Zeiten stehen noch bevor, aber es ist eben weniger eine Erzählung über das Kriegsleid oder den Wiederaufbau, sondern eben um diese Frauenschicksale, deren Wege sich in diesen Monaten besonders kreuzen, ehe sie auseinander gehen.
Mir haben die Dorfbewohnerinnen und ihr Leben wirklich sehr viel Freude bereitet und auch viele der Nebenrollen sind mir wirklich ans Herz gewachsen. Jasna Fritzi Bauer spricht die junge Kitty wunderbar natürlich und lebenshungrig. Ihre Schwester Venetia wird wirklich hervorragend von der mir bis dato unbekannten Monika Oschek verkörpert, der auch ganz toll den Wandel in Venetias Persönlichkeit gelingt. Elena Wilms als warmherzige Mrs. Tillings ist die ideale Besetzung, schon ihre warme Stimme lässt sie einen ins Herz schließen. Andrea Sawatzki hatte hörbar ihre Freude an der Rolle der intriganten, egomanischen Hebamme Edwina, deren vermeintliche Cleverness immer schiefgeht. Ich finde die Stimmen ganz ausgezeichnet gewählt, aber, und das empfinde ich als den einzigen Makel der Hörbuches: Nicht alle Stimmen sind gleich laut! Gerade auf CD 5, als Venetia ihre schlimmste Zeit mitmacht, ist ihre Tonspur deutlich leiser, als Andrea Sawatzki. Das fällt nicht sonderlich auf, wenn man in Zimmerlautstärke hört, hört man die CD jedoch leise, im Auto oder zum Einschlafen, kann man Monika Oschek nicht verstehen, obwohl ihr Part ganz entscheidend ist. Stellt man den Ton lauter, wird insbesondere die Stimme von Edwina so laut, dass man die ganze Nacht wach bleibt, um der Geschichte zu folgen. Meine Augenringe sprechen da eine deutliche Sprache.
Als großer Fan von CD’s als Tonträgern statt MP3, mochte ich die kurzen Tracks und die autofreundliche Taschenhörbuchverpackung. Diese Variante nimmt weniger Raum ein und der schnelle CD-Wechsel während der Fahrt ohne anzuhalten ist deutlich einfacher. Dabei lässt sich der Pappeinband durchaus ausdrucksstark bedrucken. Für die Kritiker, die sich über die geringe Chorpräsenz beschweren: schon das Cover zeigt ein ziemlich menschenleeres Dorf zu Kriegsbeginn und kein Chorgestühl.
Mir hat es ausgezeichnet gefallen, bis auf die Lautstärkedifferenzen in der Aufnahme der zwei besagten Sprecherinnen, die jedoch nur bei niedrigen Hörstärken ins Gewicht fallen. An der Qualität der Sprecherinnen als solche ändert dies nichts. Wer ohnehin in Zimmerlautstärke hört, dem wird dies nicht weiterauffallen, es ist nur ein Punkt, der mir bei Hörbüchern am Herzen liegt.
Ein wirklich tolles Frauenhörbuch mit starken Charakteren, ausdrucksstarken Stimmen und wunderschönen, wenn auch kurzen Choreinlagen.
Gerne vergebe ich 4,5 Sterne.

Montag, 16. Oktober 2017

Liliane Susewind: Ein kleiner Hund mit großem Herz, Tanya Stewner, KJB



Liliane Susewind: Ein kleiner Hund mit großem Herz, Tanya Stewner, KJB
Dieser Leseanfänger Band ist quasi eine Prequel zu den übrigen Bänden, denn er erzählt, wie Lilli zu Bonsai kam.
Lilli ist mit ihren Eltern und ihrer Oma im Urlaub in einem Hotel. Mama Susewind lebt immer noch in der totalen Panik, daß jemand hinter Lillis Gaben mit Tieren reden und Pflanzen zum Wachsen zu bringen, kommen könnte, daß sie es Lilli streng verboten hat, mit auch nur einem Tier zu sprechen. Aber wer Lilli kennt, der weiß, das kann einfach nicht funktionieren! Sobald sie ein Tier in Gefahr weiß, muss sie ihm einfach helfen. So beobachtet sie z.B. den großen fiesen Theo, der die Finken als Zielscheibe für seine Steinwürfe nimmt und andere Gemeinheiten plant. Da nimmt Lilli all ihren Mut zusammen und stellt sich ihm entgegen. Dort lernt sie auch einen kleinen strubbeligen Streuner, ohne Namen kennen, der Unmengen von Lebensmitteln aus der Hotelmülltonne in die Hecke schleppt. Was kann so ein kleiner Hund, nur mit so viel Futter anfangen?
Das Buchcover und der fette Hinweis: „Wie Bonsai zu Lilli kam“ sind dann wohl doch so verführerisch, daß meine große Tochter das Buch heimlich in einem Rutsch gelesen hat, als sie früher Schule-aus hatte und Mama noch in einem Termin feststeckte. Das scheint nichts Besonderes zu sein, ist es aber schon, wenn man weiß, dass dieses Kind freiwillig eigentlich gar nichts liest! Sie war dann auch so begeistert, dass sie uns alles verraten wollte, aber so nicht! Wir haben es diesmal alle getrennt voneinander gelesen. Fazit: ohhhh, das Ende war sooooo schön!
Da es eine Prequel ist, kommt natürlich auch Jesajah noch nicht vor und Lillis Mutter muss noch viel mehr lernen, als in den neueren Büchern! Dafür ist Lilli schon ganz sie selbst! Sie kann Tiere einfach nicht leiden sehen und auch Pflanzen nicht. Auch wenn sie eher schüchtern und zurückhaltend ist, kann sie in der Not über sich hinaus wachsen. Dadurch erfährt sie auch, daß selbst der scheinbar böse Konrad eigentlich auch ein Geheimnis hat. Denn Kinder sind ja eigentlich nicht böse, da steckt meistens viel mehr dahinter, man muss nur mal genauer hinschauen! Auch das Geheimnis hinter Bonsais scheinbarerer Verfressenheit fanden wir wirklich spannend.
Meine Kinder lieben den großen fetten Druck dieser Geschichten und auch die vielen farbigen Illustrationen. Auf der Messe noch stellte sich Johanna vor ein Regal und zeigte mir ein Buch mit dem Hinweis: „schau mal, das muss von der Illustratorin der kleinen Lilli-Bücher sein!“ Tatsächlich, sie hatte Florentine Prechtels Stil sofort erkannt! Die Kinder kommen offensichtlich gut klar mit zwei verschiedenen Illustrationsstilen, für die verschiedenen Altersstufen.
Ich würde mir sehr wünschen, dass auch für ältere Kinder die Bücher manchmal größer gedruckt würden, dass würde sicher vielen Kindern das Lesen erleichtern und die Leseprofis würden sich an größerer Schrift sicherlich auch nicht stören.
Ein sehr schönes Buch, nicht nur für Leseanfänger, sondern eigentlich auch für ältere Kinder, die gerne größere Schrift lesen. Es gibt viel mehr Menschen, die eine größere Schrift benötigen, als den Verlagen bewußt zu sein scheint…
Wir haben uns gefreut, daran erinnert zu werden, wie einsam Lilli ohne Freunde war und zu erfahren, wie Lilli und Bonsai zueinander gefunden haben. Vergnügliche Lesestunden, die 5 von 5 Sterne verdient hat.
Vielen lieben Dank an FJB, die Fischer Kinder und Jugendbücher für dieses wunderbare Rezensionsexemplar und Herzlichen Glückwunsch an Lilli zum 10. Buchgeburtstag!

Sonntag, 15. Oktober 2017

Ein Bloggertag auf der Frankfurter Buchmesse: Freitag der 13. War wirklich schön!



Ein Bloggertag auf der Frankfurter Buchmesse: Freitag der 13. War wirklich schön!
Meinen Bloggertag habe ich erst mal lecker bei einem Bloggertreffen beim Dryas Verlag, das sind die mit der tollen Baker Street Bibliothek und den atmosphärischen Brit-Crime-Büchern. Dort habe ich dann endlich mal Marie, die Bloggerbetreuerin kennengelernt und Wildpony Sonja Wagner wiedergetroffen.
Außerdem traf ich wie bereits berichtet Anna Lott bei dtv Junior zum Interview, und dann retteten die Meisters mich mit einem leckeren Latte Macchiato! Kennt Ihr die Meisters? Derek schreibt ja meistens Thriller, aber bisweilen auch historische Krimis wie der aktuell von blanvalet neuaufgelegte Rungholts Ehre. Er kann aber auch anders und schreibt dann mit seiner Frau Marion wirklich tolle Kinderbücher, wie die Triologie Sternenschiff Argon (erschienen bei Coppenrath und gefällt Jungs und Mädels!). Unter dem Pseudonym Mareike Marlow hat sie die tollen Cosy-Krimis Blutroter Flieder und Blaubeer Morde geschrieben, bei denen ich die Hoffnung auf eine Fortsetzung noch nicht aufgegeben habe. Da werde ich mich aber noch etwas gedulden müssen, denn erstmal erscheint im Frühjahr von ihr eine Jugendbuch-Triologie bei Fischer KJB, ab 12 Jahre, bei denen Juwelen keine unwichtige Rolle spielen…. Ich bin gespannt, wie ein Flitzebogen! Die zwei sind wirklich klasse, besucht sie mal auf Instagramm oder Facebook, es lohnt sich! Ein echtes Highlight!
Beim Bloggertreffen von Oetinger gab es nicht nur die noch geheime Vorschau auf das Frühjahrsprogramm, ich bin schon total gespannt auf die neue Triologie von Sonja Kaiblinger ab 12 Jahren und ein neues Buch von Sabine Ludwig über Serafina, eine etwas tollpatschige Hexe. Paul Maar stellte sich unseren Fragen und plauderte aus dem Nähkästchen. Wusstet Ihr, daß es ein Rat seines persönlichen „Herrn Taschenbier“, eines schüchternen, unscheinbaren Mitarbeiters seines Vaters war, dem wir eigentlich das Sams zu verdanken haben? Er inspirierte Paul Maar nicht nur, er riet ihm auch auf die Kunsthochschule zu gehen, statt den väterlichen Betrieb zu übernehmen! Ein guter Rat, uns wären ansonsten wirklich tolle Geschichten entgangen wie Lippels Traum, Herr Bello, der Galimat…. Ach ja, warum hat das Sams denn einen neuen Look bekommen? Das Sams sollte bunt werden, weil Kinder das heute fast schon erwarten. Statt über ein Jahr lang alle seine Illustrationen selbst zu kolorieren, schrieb er lieber einen Weihnachtsband für das Sams und überließ es Nina Dullek das Sams neu und farbig zu gestalten. Nun wollen alle Eltern die alten Ausgaben, und die Kinder die neuen ;) Kann ich gut verstehen! Marah Woolf und Andreas Götz (Bad Boys and Little Bitches) luden zum Quiz. Unser Team gewann und nun dürfen wir uns über herrliche Alea Aquaris Beutel freuen. Übrigens war am Sam. der Andrang bei Paul Maar mindestens so irre, wie davor die Wochen in Bonn. Das war also ein echtes Privileg von Oetinger für seine Blogger! Dankeschön!
Völlig ungeplant stieß ich dann auf Theresia Singer von Headrooms sound productions. Sie wollte ich ja eigentlich schon länger mal interviewen, weil ich es so cool finde, das so ein kleiner Hörverlag, wirklich so hochwertige Hörbücher produziert, die Stimmen denen ich lauschen durfte waren immer top, die Lautstärkebalance immer eine Freude, und dann sind die Tracks immer gut gesetzt. Wer auf ungekürzte Hörbücher steht, sollte hier unbedingt mal näher hinschauen. Ich werde mir auf den Fall vor Weihnachten noch „Der große Lord“ anhören, denn ich liebe das Buch und den Film mit Alec Guiness? Ob mich die Fortsetzung überzeugen wird? Die Stimmen dieses WDR-Hörspiels bestimmt! Auf weitere Wissenshörbücher bin ich auch gespannt (oder auf der Prinz und der Bettelknabe von Mark Twain aus der Reihe „Mit Pauken und Trompeten – denn letztes Jahr auf der Messe habe ich mir nach dem Interview mit Holly Jane Rahlens vorgenommen, endlich mal Mark Twain zu lesen!)
Als ich etwas orientierungslos den Ausgang suchte, fand ich noch ein Buch, das ich mir unbedingt noch näher anschauen werde: Promis, c’est promis! Von Knister und Eva Tharlet. Ein Bilderbuch mit Sprach-DVD mit 4 – sprachigen Untertiteln. Zum Sprachenlernen finde ich ja Bilderbücher mit Ton total super und da wir ja mit Französisch anfangen…. Versprochen ist versprochen, klingt doch nach einem Thema, das alle Kinder anspricht!

Samstag, 14. Oktober 2017

Tildas Tierbande: ein Wollschwein im Wohnzimmer, Anna Lott, dtv junior



Tildas Tierbande: ein Wollschwein im Wohnzimmer, Anna Lott, dtv junior
Die neunjährige Tilda ist mit ihren Eltern in den Trüffelweg gezogen. In dieser Straße, die an Bauer Hartwigs Hof grenzt gibt es genau 6 Häuser, die sich als Dreierreihe gegenüber stehen. Tilda erhofft sich vom Umzug aufs Land, daß ihre Eltern ihr endlich ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen: ein Schaf, dafür hat sie sich schon eine Leine zum Gassi gehen gekauft! Als sie ihre Umgebung erkundet, entdeckt sie ein Baumhaus und trifft Tomma. Sie ist so alt wie sie und ganz schön kess! Von ihr erfährt sie, daß gegenüber die neunjährigen Gabriel, Gonzo und Gregor. Wer in dem andern Haus neben Tilda wohnt, weiß Tomma auch nicht. Bei einer Erkundung des Bauernhofs entdecken Tilda und Tomma einen Stall, deren Tür ihnen entgegenfällt. Darin lernen sie Wollschwein Muffin, Angorakaninchen Wühler und Seidenhuhn Kasi kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick, auch wenn Muffin einen sehr eigenen Kopf hat und vor keiner Tür halt macht. Er hat sich ganz klar Tilda als neuen Lieblingsmenschen ausgesucht und Kasi Tomma, aber wer soll sich um Wühler kümmern? Das soll Wühler selbst bestimmen und so organisieren sie ein Casting.
Kinder, Tiere und Banden, das gibt es häufiger, aber Anna Lott hat Tildas Tierbande einige wirklich schöne Ideen und Charaktere geschenkt, die diesen Reihenauftakt auszeichnen. Es sind oft die Kleinigkeiten, die den Charme ausmachen.
Die Mädchen aus dem Trüffelweg, übernehmen die Verantwortung für 3 Tiere, die Bauer Hartwig andernfalls weggeben würde. Während die Mädchen so zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammenwachsen und Verantwortung übernehmen, fühlen sich die Jungs ausgeschlossen und unfair behandelt. Das kann auf Dauer nicht ohne Folgen bleiben und diese sind zum Teil sehr lustig und skurril! Denn auch die Jungen sind recht eigen. So trägt Gabriel stets ein schwarzes Kapuzencape und eine Darth-Vader-Maske und Gonzo trägt stets schleimige Nacktschnecken mit sich herum. Die Jungs bringen die Aufregung in die Idylle und lassen so manch gruselige, abgefahrene Idee einfallen.
Blass wirken die Mädchen aber nicht neben ihnen, sie versuchen nur nicht stets mit abgefahrenen Aktionen Aufmerksamkeit zu erlangen, was ihnen auch wirklich gelingt. Nicht nur bei den Mädchen, sondern auch bei Bauer Hartwig, der doch einfach nur in Ruhe seine Arbeit machen will. Aber nichts da, vor den Tieren und Kindern ist nichts sicher und da kann auch er sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Die Schrift ist für das Lesealter ab 8 Jahren noch etwas größer und durch die zahlreichen Illustrationen und sehr kurze Kapitel haben auch ungeübtere Leser wirklich tolle Fortschrittserlebnisse, ohne zu ermüden. Dabei ist die Sprache sehr kindgerecht und wenn mal ein ungewöhnlicher Begriff, wie z.B. Casting vorkommt, wer er gut verständlich erklärt.
Sehr gut gefallen uns die Zeichnungen der drei Mädchen Tilda, Tomma und Tati links im Klappeneinband und Gregor, Gonzo und Gabriel rechts im Einband. So kann man bei den gleichen Anfangsbuchstaben nicht durcheinander kommen und sie sich noch besser vorstellen. Die Illustrationen von Verena Körting sind wirklich sehr liebevoll und die wolligen Tiere, die oft noch zusätzlich am unteren Seitenrand entlang wuscheln einfach zum Liebhaben.
Ein richtig schönes Buch für Tierliebhaber und Geschichten um Kinderbanden und Freundschaften. Da wird Freundschaft, Trubel und Spaß geboten und schon hat der junge Leser es beendet!
Gerne vergeben wir 5 von 5 Sternen!
Wir bedanken uns ganz herzlich bei dtv junior für das wunderbare Rezensionsexemplar und Anna Lott für das nette Interview!

Interview mit Anna Lott 13.10.17 Frankfurter Buchmesse



Interview mit Anna Lott 13.10.17 Frankfurter Buchmesse
Anna Lott hat viele Jahre als Redakteurin für Radio Bremen gearbeitet, wo sie noch heute gerne Kinderbücher vorstellt. Inzwischen ist sie Drehbuchautorin und entwickelt Geschichten für Fernsehen und Hörfunk, wenn sie nicht gerade neue Kinderbücher schreibt wie z.B. „Luzies verrückte Welt“ (über die einfallsreiche Luzie und ihr Meersschweinchen Herkules) oder „Moppi und Möhre“ (Meerschweinchenabenteuer in der Tierpension) oder verbringt Zeit mit ihrer Familie. Ihre Söhne hören gerne ihre Geschichten, so mag ihr Jüngster sehr gerne das Hörbuch zu Tildas Tierbande.

Liebe Anna, Du lebst mit Deiner Familie in Bremen, dort habt Ihr sicher keinen Platz für ein Wollschwein im Wohnzimmer, habt ihr denn Meerschweinchen, die Du Dir sonst gerne als Helden aussuchst? Wir haben tatsächlich zwei Meerschweinchen.
A.L.: Ich habe mal auf dem Land gewohnt und damals hatten wir zwei chinesische Maskenschweine. Die waren aber schon ziemlich groß und das geht wirklich nur, wenn man auf dem Land lebt.

Wenn Du Dich für ein Tier entscheiden müsstest und nicht das Tier für Dich, Hand auf Herz, was würdest Du wählen: Wollschwein, Angorakaninchen oder Seidenhuhn?
A.L.: Das Wollschwein ist definitiv mein Favorit, auch wenn ich die anderen Tiere auch sehr süß finde.

Hattest Du als Kind auch eine Bande, oder Deine Kinder?
A.L.: Ich habe es mir immer sehr gewünscht mit drei anderen Mädchen auf dem Schulhof, aber nach einem Treffen auf dem Schulhof war es dann auch schon wieder vorbei.

Wir mögen ja Tati besonders gerne, da wir auch so eine kleine zarte Tierflüsterelfe zu Hause haben.  Hast Du reale Vorbilder für Deine kleinen und größeren Helden?
A.L: Sie sind alle frei erfunden, aber natürlich haben sie schon einige Eigenschaften von realen Personen, die sich dann auch ergänzen.
(Das können wir bestätigen, da unsere Jüngste sogar was die fehlerhafte Namenseintragung nach der Geburt -sie hieß mit Zweitnamen plötzlich Carla statt Clara- Tati ähnelt, allerdings hat sie blonde Locken ;) )
Alle haben ihre Eigenheiten. Tati ist sensibel, Tomma ist mutig und Tilda versteht sich mit allen gut.  Aber tatsächlich mag ich auch Gabriel sehr gerne, obwohl er nur eine kleinere Rolle hat, wie er sich stets hinter seiner Darth-Vader-Maske versteckt.

Bauer Hartmut ist schon ein skurriler Typ, sein Geheimnis der stets blütenweißen Hemden würde ich ja gerne erfahren. Bekommen wir in den nächsten Bänden mehr Einblick in seine Künstlerseele?
Im nächsten Band nicht, da bekommen wir mehr Einblick  in seine Tätigkeit als Bauer. Er ist aber mehr ein Gourmet, als ein Künstler,  er kocht und backt leidenschaftlich gerne. Seine Bilder zeigen ja allesamt Gemüse.
Vielen lieben Dank für das Gespräch!

Freitag, 13. Oktober 2017

Luzerner Totentanz, Monika Mansour, Emons



Luzerner Totentanz, Monika Mansour, Emons
Es weihnachtet, aber nicht für jeden. Der Tod von Abteilungsleiter Rolf Wymann sitzt Barbara noch tief in den Knochen. Obwohl das ganze Team der Mordkommission (Leib und Leben in Luzern) Barbara ermuntert, die Nachfolge ihres ermordeten Geliebten anzutreten, ist sie durch die Trauer und Schuldgefühle gelähmt. Da kommt es ihr nur recht, daß sie Heilig Abend aus der Messe zu einem Tatort in einem Stadtmauerturm gerufen wird: ein ca. 8 jähriges Mädchen wird als Engel verkleidet betäubt schlafend unter der oberen Turmtreppe gefunden. Die Wände sind bemalt mit Hexensymbolen in Hühnerblut. Unter dem Strohlager des Kindes findet sich eine leere Flasche mit Lippenstiftabdruck. Eine Hexe mit dunkel wallendem Umhang und rot wehender Mähne flieht auf einem schwarzen Pferd, begleitet von einem großen dunklen Hund, eine Feuerspur hinter sich herziehend. Bereits am 1. Weihnachtstag verschwindet das nächste kleine blonde Mädchen und wird als Engel verkleidet in einem anderen Turm gefunden. Diesmal ist die Symbolik sexueller Natur, doch dem Kind fehlt es an nichts, es hat alles verschlafen. Luzern begibt sich auf Hexenjagd und wird nach dem Fund eines dritten Kinderengels am 2. Weihnachtsfeiertages  geradezu hysterisch. Durch die Hexensymbolik angezogen schaltet sich der gutaussehende niederländische Journalist Marius van Roijen in die Ermittlungen ein. Durch seine Kenntnis um die Luzerner Sagen von der Sträggle und dem Türst scheint der Fall aber nur noch verwirrender zu werden.
Wieder ein packender Krimi mit dem türkischstämmigen, heißblütigen Ermittler Cem Cengiz, der diesmal tief in die mystischen Sagen des Luzerner Umlandes.
Doch neben dem scheinbar unbegreiflichen Verbrechen an unschuldigen Kindern gibt es auch wieder einige Gefühlswirrungen. Cems Freundin Lila mit der zwielichtigen Vergangenheit ist über die Weihnachtsfeiertag bei ihren francophonen, gutbürgerlichen Eltern, während das Parfum von Staatsanwältin Eva sein Blut in Wallung bringt. Wie gut Journalist und Hexenkenner Marius aussieht, fällt nicht nur Cem auf und so bringen die persönlichen Geheimnisse und Empfindungen eine weitere Komponente ins Spiel. Ist die Neue Hexe von Luzern wirklich wahnsinnig oder hat sie eine dunkle Vergangenheit, die jemand mit ebenfalls nicht blütenreiner Weste besser verstehen kann?
Während man als Leser über die Motive und die Identität der „Hexe“ nachgrübelt, hat man stets den Prolog von einem jungen Mädchen, das sich wegen Mobbings in den Tod stürzt im Hinterkopf. Was hat dieses unschuldige Opfer mit den Kinderengeln zu tun?
Gerade die Machtlosigkeit des Mobbingopfers und die Unschuld der kleinen Mädchen gehen unter die Haut, während der unsympathische Priester und die Hexenmystik zu fesseln wissen.
Dabei gefiel mir sehr gut, daß der Priester zwar unsympathisch, aber nicht böse war. Als es darauf ankommt, zeigt er Größe und Umsicht. Das Abweichen von Clichées gefällt mir. Es ist überraschend und unberechenbar.
Auch dieser Band zieht einen wieder in seinen Bann. Er kann einzeln gelesen werden, aber es ist definitiv interessanter, wenn man die Reihe von vorne beginnt, da man gerade die zwischenmenschlichen Töne so besser versteht.
Achtung, es ist ein Schweizer Krimi, nicht nur die Sage stammt aus Luzern, auch die Sprache. Die ersten Bände hatte noch ein Schweizerisch – Deutsches Glossar, wer also mit Band 1 beginnt, kennt sich also mit Begriffen wie Spital statt Krankenhaus und parkieren statt parken,  schon bestens aus und für Schweizer muss es eine Wohltat sein, mal nicht nur Duden-Deutsch zu lesen. Ich finde das sehr charmant, aber verständlich (als Rheinländerin kann ich damit leben, das jeder Jeck anders spricht).
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Emons-Verlag für diesen tollen Krimi, auf dessen Fortsetzung hoffentlich im nächsten Jahr ich mich jetzt schon wieder richtig freue.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs, Das Original-Hörspiel zum Kinofilm, Dirk Ahner, gelesen von Martin Baltscheit und dem Filmcast, cbj audio



Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs, Das Original-Hörspiel zum Kinofilm, Dirk Ahner, gelesen von Martin Baltscheit und dem Filmcast, cbj audio
Meine Kinder hatten das Kino noch nicht vollständig verlassen, da stand für sie fest, wir brauchen dringend das Hörbuch Mama, der Film war soooooo toll!
Wie gut, daß es tatsächlich ein Original-Hörspiel zum Kinofilm gibt! Mama mag ja Hörspiele nicht so, die Kinder schon:
Mia und Benny (eigentlich Bennet) sind derzeit die einzigen Pfefferkörner. Bei einem Einsatz zu Beginn hätte das auch ganz schön in die Hose gehen können, da die Überwachung zu zweit bisweilen ganz schön löchrig ist. Dank Mias kleiner Schwester Alice (10 Jahre) kommt dennoch rechtzeitig die Polizei, um die Täter dingfest zu machen. Dennoch wollen Mia und Benny Alice nicht als drittes Pfefferkorn aufnehmen, sie sei einfach zu jung. Das kann Alice nicht auf sich sitzen lassen.
Am nächsten Tag steht die Abfahrt zur Klassenfahrt nach Tirol auf den Bauernhof, auf dem Mia früher immer ihre Ferien verbracht und mit Luca, dem gleichaltrigen Sohn des Bauern gespielt hat. Noch vor Abreise warnt Luca Mia, dass es dort nicht mit rechten Dingen vor sich geht und fleht sie an, doch bitte dem Hof fern zu bleiben. Beni wäre diesem Wunsch nur allzu gerne nachgekommen, denn seine etwas extrovertiert/exzentrische Mutter kommt als Begleitperson, so wie der neue Mitschüler Johannes, dem sein schlechter Ruf als Abzocker bereits voraus eilt.
In Südtirol geht es tatsächlich nicht mit rechten Dingen zu, irgendjemand scheint Lucas Vater bewußt ruinieren zu wollen, denn an die Sage des schwarzen Königs wollen die Pfefferkörner nicht glauben.
Auch wenn für mich stets Lutz Mackenzie die Stimme des Hörspiel-Erzählers verkörpern wird, macht Martin Baltscheit seine Sache richtig gut. Die Informationen, die man im Kino über die Bilder transportiert bekommt, vermittelt er mittels seiner angenehmen Stimme. So kann man der Geschichte auch folgen, ohne den Film bereits zu kennen. Die z.T. namenhaften Schauspieler erkennt man stimmlich ohnehin, wie z.B. Devid Striesow, Katharina Wackernagel oder Susanne von Borsody kann man alle sehr gut auseinander halten und die Kinder klingen echt, wirklich natürlich. Da es sich um einen Kinderkrimi handelt, sind die Charaktere natürlich überzogen, aber das dafür richtig gut. Susanne von Borsody kann es in ihrer Rolle als Böse durchaus mit Glenn Close als Cruella deVille aufnehmen, so eisig kann ihre ansonsten warme Stimme werden. Dass der Fall natürlich etwas überzogen ist, hat uns nicht weitergestört, schon bei Enid Blyton habe ich gelernt, daß Kinder in Krimis die Erwachsenen richtig alt aussehen lassen. Das ist aber auch Teil des Spaßes für Kinder, deren größter Traum es ja oft ist, endlich groß zu sein.
Neben Action, Spannung und Spaß widmet sich die Geschichte einem wichtigen Thema, unseren natürlichen Ressourcen und ihre Bedrohung durch skrupellose Ausbeutung und Überbeanspruchung für kommerziellen Erfolg. Da dieses 9. Team technisch bestens ausgestattet und versiert ist, kommen Sie mithilfe der neuen Medien und natürlich Alice, die sich im Hauptquartier in der Hamburger Speicherstadt nun doch um alles kümmern darf, zu ganz erstaunlichen Ermittlungsergebnissen. Neben den traditionellen Pfefferkornrangeleien zwischen den Schwestern, keimen auch in dieser Konstellation zarte Gefühle auf, aber ganz entscheidend sind der Zusammenhalt, die Freundschaft und der Einfallsreichtum des Teams.
Sehr gut gefällt mir die Tonbalance, man kann der Geschichte gut akustisch folgen, ohne große Lautstärkeschwankungen. Durch die zahlreichen Tracks findet man nach Pausen wieder schnell hinein und natürlich kommt zu Beginn der Pfefferkörner-Titelsong, der auch nach 17 Jahren immer noch ins Ohr geht.
Durch die Länge des Hörspiels werden keine Szenen weggelassen, auch der Lieblingsgag, über den sich meine Töchter noch täglich kaputt lachen, ist erhalten geblieben, so können sie ihr Kinoerlebnis immer wieder nach erleben, denn Franziska sagt: „Mama, das ist mein Lieblingsfilm“ . Am 12. November 2017 beginnt dann demnächst die 15. Staffel mit eben dieser Crew plus einem weiteren Pfefferkorn.
Das Booklet führt den Cast auf und zeigt Szenen aus dem Film und vom Set. Übrigens ist Martin Baltscheit auch ein toller Kinderbuchautor, und Dirk Ahner, der Drehbuchautor hat auch die tolle Zeitreisekinderbuchreihe: „Der Laden der Träume“ verfasst (unbedingte Hörempfehlung von Franziska)
Die Kinder sind sich einig: 5 von 5 Sternen!
Wir bedanken uns ganz herzlich bei cbj audio für das Tolle-Hörkinoerlebnis!

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Stinktier & Co: Stunk unterm Weihnachtsbaum, Rüdiger Bertram, Thorsten Saleina, cbj



Stinktier & Co: Stunk unterm Weihnachtsbaum, Rüdiger Bertram, Thorsten Saleina, cbj
Nicht nur Weihnachten naht für Zora und ihren unsichtbaren Begleiter Stinktier Dieter, nein auch Katis Geburtstag naht und die spannende Frage: wir Kati ebenso wie ihre Freunde die stille Anna mit Faultier Paula oder Leon mit der dreisten Ratte Jasper ebenfalls einen unsichtbaren Begleiter bekommen, damit sie sich als vollwertiges Mitglied im „Club der super Tiere“ fühlt?. Zora kann Katis 10. Geburtstag kaum erwarten, so wünscht sie sich, daß ihre beste Freundin doch bitte, bitte auch einen unsichtbaren Begleiter erhält, der sich max. 5 Meter von ihr entfernen kann und wie im Falle von Dieter auch ganz schön frech, faul und dreist sein kann. Doch Katis Eltern haben keinen tierischen Begleiter, wo sollte Kati dann einen herbekommen? Stinktier Dieter plagen derweil ganz andere Sorgen: seine Stinkattacken duften plötzlich weihnachtlich nach Plätzchen? Wer soll sich denn nun noch vor ihm fürchten und ihn respektieren, wenn er nur noch duften kann? Dieter ist so verzweifelt, daß er ernsthaft an einer Gewichtsreduktion arbeitet, weil Zora meint, daß vielleicht sein Übergewicht schuld sei, aber als dann auch plötzlich Faultier Paula aus ihrer Lethargie erwacht und hyperaktiv wird, scheint die Veränderung eine andere Ursache zu haben und alle tierischen Begleiter zu bedrohen.
Dieser Weihnachtsband ist der dritte und letzte Band der Stinktier & Co. Reihe und meine Kinder wollen das Ende nicht so ganz als solches akzeptieren, obwohl nun eigentlich alle Fragen geklärt sind. Aber solange es Zora und ihre Freunde gibt, gibt es ja noch Hoffnung!
Wir waren ja sehr gespannt auf diesen Band, weil wir doch unbedingt wissen wollten, ob Kati nun doch endlich auch einen unsichtbaren Begleiter erhält und was für einen? Da wir das so spannend fanden, wollen wir uns nun zu diesem Thema nicht weiter äußern, aber das macht ja nix, denn die Reihe ist so witzig und kurzweilig (ja gut, sie ist auch spannend, immerhin wurde ich wegen der unerträglichen Spannung schon sehr getrieben weiter zu lesen), das uns noch genug anderes einfällt.
Zum einen gefällt es uns, wie Zora ihren Vater stets bearbeitet ihrer Mutter doch endlich die Wahrheit über die vielen unsichtbaren Tiere zu erzählen, die eigentlich das Haus bevölkern und für mancherlei Merkwürdigkeit sorgen. Dies ist auch in einem weiteren Punkt ein wichtiges Thema dieses Buches: Ehrlichkeit. Bitte nicht lange fackeln, sondern raus mit der Wahrheit, die Reaktion ist meist gar nicht so schlimm wie befürchtet. Daher ist das Ende auch wirklich schön weihnachtlich, nicht nur im Hinblick auf die Ehrlichkeit und völlig anders als von uns erwartet, viel schöner, viel weihnachtlicher. Ja, auch Stinktiere und Faultiere tragen den Geist der Weihnacht in sich!
In diesem Band spielen Jessica und Co. keine Rolle mehr, dafür taucht aber wieder „die Chefin“ auf, die eine zentrale Rolle in Band 2 spielt. Da für Neulinge der Serie ihre Rolle genau erläutert wird, sollte man die Reihenfolge der Bände beim Lesen einhalten, da sonst die Spannung für Band 2 genommen ist. Man kann Band 3 auch alleine lesen, aber meine Kinder finden die Reihe soooo witzig, dass es echt schade wäre, nicht alle drei zu lesen und sich dann um einen Teil des Vergnügens zu bringen. Immer wenn ich mal mit dem Vorlesen pausiert habe, hat sich die Jüngste (8) das Buch geschnappt und selbst weiter gelesen. Das ist bei meinen Kindern sehr untypisch, aber die Schrift ist noch angenehm groß und die Bilder von Thorsten Saleina sind zahlreich und echt witzige Hingucker. Da ich die Reihe selbst toll finde, mußte ich dann schnell nachlesen, was ich denn verpasst hatte, aber mit dieser Härte ließ es sich gut leben. Dieters Sprüche sind teilweise so frech und dreist, daß die Kinder nahezu wiehern vor Vergnügen, aber vielleicht hat ja Johanna (10) auch einen tierischen Begleiter, den ich nicht sehen kann. Die Kleine kann ihren 10. Geburtstag kaum erwarten.
Ein wirklich tolles weihnachtliches Ende für diese Triologie für Selbstleser ab 8 Jahren, auch wenn wir traurig sind, daß es nun keine neuen Geschichten vom frechen Dieter und seinen Kumpels mehr geben wird.
5 von 5 Sternen
Wir bedanken und ganz herzlich bei cbj für dieses weihnachtliche Rezensionsexemplar!

Kurzer Prozess, Krimi-Kartenspiel für clevere Ganoven, von Reiner Knizia, Gmeiner Spannung



Kurzer Prozess, Krimi-Kartenspiel für clevere Ganoven, von Reiner Knizia, Gmeiner Spannung
Am Wochenende war Spieletesten angesagt. Dieses Kartenspiel für 3 bis 6 Spieler ab 10 Jahren haben wir mit 5 Spielerinnen von 35 – 45 Jahren getestet. Als Krimi-Fan und Juristin war ich sehr gespannt auf dieses Spiel:
Alle Karten werden gründlich gemischt und an alle Mitspieler ausgeteilt, es bleiben keine Karten übrig. Bei 3 Mitspielern werden Karten herausgenommen. Der Jüngste beginnt und kann eine Karte (Wert von 1-3) vor einen Mitspieler der Wahl auslegen. Jeden Spieler wird so eine Farbe zu geteilt, je eine Farbe pro Spieler die für die jeweilige Runde gilt. Ausser diesen Verbrechenskarten gibt es noch Zeugenkarten, die quasi als Farbjoker verwendet werden können und schwarze Peter Karten, durch welche alle ausgelegten Karten einen Platz nach links wandern, wodurch die Spieler neue Farben zugewiesen bekommen. Wer als erstes über 5 Punkte vor sich ausliegen hat, ist überführt und muß alle ausliegenden Karten nehmen und neben sich legen. Wenn alle Handkarten ausgelegt sind, wird gezählt wer die höchste Punktzahl auf diese Weise gesammelt hat. Wer die meisten Strafpunkte hat, muß sich die höchste Haftdauer-Karte nehmen, wer die wenigsten hat, bleibt frei.
Nach 3 Runden werden diese Haftperioden aneinander gelegt und verglichen wer die längste Strafe abzusitzen hat.
Fazit: auch bei diesem Spiel hatte ich mal wieder Probleme die Farben im Kunstlicht auseinander zu halten. Im dämmrigen Kunstlicht konnte ich am anderen Tischende lediglich rot und gelb klar auseinander halten. Je jünger die Mitspieler, desto weniger diese Farbschwierigkeiten.
Die Karten sind wirklich abwechslungsreich gestaltet. Die Optik des Spiels ist echt gut, die Regeln sind verständlich und relativ einfach, man kann ziemlich schnell anfangen los zu spielen, ohne stundenlang Regeln zu wälzen oder aufzubauen. Sehr praktisch für unterwegs, oder wenn man nicht so lange Zeit hat. Die Künstlerin unter den Mitspielerinnen war mit der Optik sehr zufrieden, fragte aber (berechtigter Weise) wozu die aufwendige Gestaltung, wenn es darauf eigentlich nicht ankommt. Dafür können die Spielzüge ziemlich schnell auf einander folgen. Keine zähen Spielpausen, wenn jemand scheinbar unendlich lange an seiner optimalen Strategie feilt, es ist in der Tat zum Spielen und keine Wissenschaft.
Aber so ganz der große Knaller war es leider auch nicht. Der Clou hat uns gefehlt. Wir fünf fanden es nett, aber nicht mehr. Alkoholisiert kann man es auch noch spielen und dann ist es lustiger, aber wir wollen hier ja niemanden zum Trinken animieren (alleine Federweißer hat uns schon genügt).
Als Blindtest haben wir noch zwei weitere Spiele getestet, gewonnen hat definitiv das Spiel, daß es mal zum Spiel des Jahres 2013 geschafft hat, so konnten wir ausschließend, daß diese Wertung nicht daran lag, daß wir das Spiel alle nicht kannten.
Am interessantesten fanden wir den Kartentausch, aber noch ein paar weitere Spielvariationen haben wir schon noch vermisst. Von dem bekannten Spieleautor Dr. Rainer Knizia haben wir mehr erwartet.
Fazit: nett, aber nicht mehr. 3 von 5 Sternen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei dem Gemeiner Verlag für dieses Krimi-Kartenspiel

Montag, 9. Oktober 2017

Kinderbuchautoren mal ganz nah!



Kinderbuchautoren mal ganz nah!
Auch letztes Wochenende ging Käpt’n Book das Rheinische Lesefest wieder weiter. Für uns diesmal am Sonntag im Kunstmuseum der Stadt Bonn,  welches wir gerade wegen seiner Übersichtlichkeit sehr schätzen, da man hier den Autoren wirklich ziemlich nahe kommen kann und es sich nicht verläuft. Daher haben wir es hier auch geschafft Käpt’n Book (der Schauspieler Hanno Friedrich war auch dieses Jahr seiner Rolle treu, uff, wir sind froh über seine Kontinuität) hier endlich persönlich zu sehen, die Eröffnung in der Bundeskunsthalle war so riesig, da ist er uns glatt entwischt! Daher freuen wir uns, ihn Euch hier mit Bild zu präsentieren zu können.
Er sprach die einladenden Worte zu dem französischen Bilderbuch „Papa est connecté“ von dem belgischen Autor und Illustrator Philippe de Kemmeter, der in seinem Buch (das noch einen deutschen Verlag sucht) die Geschichte eines kleinen Pinguins erzählt, dessen Vater irgendwie im Internet wohnt, weil er nie Zeit für seine Familie hat, weil er ständig nur im Internet surft, statt sich des Lebens um sich herum bewußt zu sein. Doch als er in Not gerät sind seine 536 virtuellen Freunde nicht zur Stelle! Da die Vokabeln auch für Anfänger (ein paar Wochen) etwas ungewöhnlich sind (warum beginnt der Klett Verlag seine Schulbücher wohl nicht mit Geschichten aus der Antarktis), waren beide Kinder froh über die Übersetzung durch die anwesende Dolmetscherin, die anschließend auch noch „Au secours, Maman fait un régime“ (Hilfe, Mama macht Diät!) ein weiteres Abenteuer der gleichen Pinguin-Familie vorstellte. Zum Glück hat die Pinguin Mutter, die Diät aber beendet, denn nun werden sie bald zu viert sein. Anschließend durfte das Publikum der Entstehung eines Pinguinposters zu schauen.
Danach kam das Highlight für uns: Sabine Ludwig („Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“) las aus „Wie Kater Konrad seinen Freund wiederfand und den Rattenkönig besiegte“. Wir kennen diese Reihe mit den langen Titeln ja nur als Lesung von Andreas Fröhlich und ich finde, Sabine Ludwig konnte durchaus mit dem legendären Sprecher (??? Bob Andrews) mithalten, aber sie konnte noch mit den wunderschönen Buchillustrationen auftrumpfen, die begleitend zur Lesung auf die große Leinwand projektiert wurden (die Bücher sind bei cbj erschienen, die oft Vorlesebücher mit besonders schönen farbigen Illustrationen ausstatten, da fällt uns die Entscheidung zwischen Hörbuch und Buch immer besonders schwer). Die Reihe ist wirklich toll und unser Begleitkind Paul (8 Jahre) der die Reihe noch nicht kennt, lauschte genauso gebannt und lachte an den passenden Stellen, wie Johanna und Franziska, die die Geschichte bald mitsprechen können. Leider haben wir im Anschluß erfahren, daß dies leider Kater Konrads, Hund Hubsi und Maus Marie Antoinettes letztes Abenteuer war. Umso mehr freuen wir uns, heute mit Sabine Ludwigs neuem Cornwall Krimi „Pandora und der phänomenale Mr. Philby“ beginnen zu können. In diesem Buch hat die Autorin die Vignetten übrigens selbst gezeichnet und das sieht richtig professionell aus! Bei der Signierrunde im Foyer hat sich Sabine Ludwig richtig Zeit für Gespräche genommen, das war richtig super, schon weil es dieses Wochenende auf der Buchmesse in Frankfurt wohl noch viel voller sein wird.
Maja Nielsen las dann für ältere Kinder aus ihrem Luther Buch „Abenteuer! Maja Nielsen erzählt: Martin Luther – Glaube versetzt Berge“ (Gerstenberger Verlag, bzw. Jumbo Verlag als Hörbuch) und nahm sich anschließend richtig viel Zeit für die Leser, bis sie selbst wieder zurück in den Saal ging, um anschließend, dem Kinderbuchpromi des Tages zu lauschen.
So schön der Rahmen für Lesungen im Kunstmuseum ist, Paul Maar brachte das Auditorium fast zum Platzen. Johanna, die bereits in Gerolstein bei einer Paul Maar Lesung war, stöhnte schon: Äh, das wird eh viel zu voll, da habe ich keine Lust drauf! Die Gaderobieren rieten mir erstmalig meine Jacken zusätzlich zum Rucksack abzugeben, aber ich Frostbeule wollte ja nicht hören…. War aber nicht schlimm, es war so voll, daß ich froh war, mich nach einer halben Stunde Stehens in dem überfüllten, überhitzten und sauerstoffentleerten Saal auf meine Jacke setzen zu können. Als echter Profi verschaffte sich Paul Maar auch über die Zuhörermassen (es war mind.  seine 3. Lesung innerhalb dieses Festivals und immer noch strömten die Leute herbei) Gehör. Ja, es ist wahr, er ist nun 80 Jahre, aber weiß genau was in seinem Sams so vorgeht und hat es für die Eltern, die das Sams vielleicht doch noch nicht kennen, wirklich toll vorstellt und Papa Taschenbier und das Sams noch schnell auf ein Plakat gezeichnet (schnief, es war der echte echte Papa Taschenbier, so wie wir ihn aus unseren Sams-Büchern kennen. Wir mögen zwar Nina Dullecks Illustrationen eigentlich, aber das Sams wurde ursprünglich vom Autor selbst illustriert und das gehört einfach zusammen, auch wenn er seine neuen Bücher nicht mehr selbst illustrieren mag, hätte man die alten Bände ruhig so lassen können, wie sie waren, dann auch nach 44 Jahren, haben die Illustrationen ihren Charme nicht verloren, finden wir). Die neuen Weihnachtsabenteuer des Sams und die Gedichte und Geschichte aus dem Paul Maar Geburtstagsbuch, waren dann aber doch so witzig, daß Johanna und ich, es nicht bereut haben, uns in das Auditorium gequetscht zu haben. Wir hatten es bequemer, als diejenigen von uns, die sich zu viert zwei Sitzplätze teilten und super Sicht hatten wir auch.
Uff, da haben wir wieder einiges erlebt und nun darf ich wieder selbst vorlesen (mit Unterstützung der Kinder natürlich) bis zum nächsten Wochenende auf der Frankfurter Buchmesse.

Henry Smart: Im Auftrag des Götterchefs, Frauke Scheunemann, Oetinger



Henry Smart: Im Auftrag des Götterchefs, Frauke Scheunemann, Oetinger
Der deutschstämmige 12 jährige Henry Smart hat Schulferien und bekommt von seinem verwitweten Vater eröffnet, daß sie die Sommerferien in Bayreuth verbringen, weil er während dort ein Engagement als Maskebildner bei den Wagner Festspielen hat. Henry ist völlig entgeistert und erwartet die langweiligsten Ferien seines Lebens. Die 3 alten Damen, die ihre Pension in Bayreuth betreiben, sind etwas merkwürdig aber nett, anders als deren Nichte Hilda, die in Henrys Alter ist. Die findet er eigentlich ziemlich zickig. Als Henry abends alleine eine Pizza bestellen will, ändert sich sein Leben schlagartig. Er löst den geheimen Notfall-Code des Götterchefs Wotan aus, dessen Sondereinsatzkommando stürmt die Pension, und Hilda, die eigentlich Wotans Tochter ist, muß die Wogen irgendwie glätten, ohne das Henry zu Schaden kommt. Der ist völlig verblüfft und zweifelt an seinem Verstand. Als er Nachforschungen anstellt, fliegt er natürlich auf und wird von Wotan als Agent gegen den bösen Zwergenkönig Alberich verpflichtet. Dieser versucht das Nibelungengold zu vereinigen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Um das zu verhindern reisen Henry, Hilda, Siegfried (ja, DER Siegfried mit dem Drachen) und Tante Urd mit einigen Gadgets des genialsten Erfinders der Götterwelt nach London, um dort aus dem Tower das in den Kronjuwelen versteckte Nibelungengold zu sichern.
Meine 10 Jährige Tochter brummelte erst mal, als sie sah, daß das Buch frei von Illustrationen und sogar Vignetten ist. Das arme Kind bekam daher zwangsvorgelesen, aber schon nach 3 Kapiteln las sie freiwillig selbst mit und wollte unbedingt mehr! Denn die Geschichte ist herrlich schräg! Das Tempo so rasant, das man nicht mehr aufhören kann. Ich war sehr froh, daß die Kapitel so kurz sind, sonst hätte ich mir wohl die Zunge franselig lesen müssen. Die Kürze der Kapitel ist super, so werden auch Kinder die noch nicht so gut lesen können, von diesem doch schon recht dickem Buch, nicht so schnell entmutigt. Ein weiteres Plus ist: es gibt mehr Kapitel mit witzigen Untertiteln, auf die wir uns immer gefreut haben. Da wir in unmittelbarer Nähe zu Siegfrieds Drachenhöhle gewohnt haben, war für uns Siegfried als Held mit Hybris und wenig Hirn besonders witzig, wobei ich seinen verbalen Schlagabtausch mit Hilda auch immer urkomisch fand. Hilda (= Brunhild) ist nämlich ganz schön modern und lässt sich von den göttlichen Helden um sich herum kein X für ein U vormachen und gibt mächtig contra. Eine prima Identitätsfigur für Mädchen, wenn auch bisweilen etwas zickig, aber sind wir das nicht bisweilen alle mal?
Richtig klasse war auch die Erklärung der Zusammenhänge der verschiedenen Götterwelten, denn die Nibelungen bleiben nicht unter sich, bzw. alleine mit dem fiesen Alberich auf weiter Flur. Nein, nach und nach tauchen immer mehr Sagengestalten aus verschiedenen Kulturkreisen und Epochen auf. In einem Fall dachten wir uns: „Moment, die ist garantiert kein normaler Mensch, die muß auch einer Sage entsprungen sein!“ Tatsächlich, dem war auch so, aber alles Rätseln hat uns nicht weitergebracht (nein, es war nicht die Loreley!), obwohl die Anzeichen im Nachhinein schon recht deutlich waren (hüstel, schäm). Es ist einfach richtig witzig, wie die traditionellen Geschichten einmal durcheinander gewirbelt und auf den Kopf gestellt werden, nachdem zuvor die heute Kindern unbekannteren Geschichten gut zusammengefasst wurden. So entpuppt sich hier der böse Bruder des legendären Richard Löwenherz als gar nicht so grausam und der Rächer der Armen und Entrechteten als gar nicht so tugendhaft. Das Ganze ist dann noch eine actiongeladene Agentengeschichte, die so haarsträubend und schräg ist, daß man sie nur lieben kann! Am Ende wird dieses Abenteuer abgeschlossen und Henry kehrt wohl ohne weitere Komplikationen in die Staaten zurück, aber „einmal Agent, immer Agent!“, wird er schon bald für seinen zweiten Einsatz rekrutiert werden. Leider müssen wir uns bis zum zweiten Band noch etwas gedulden, denn es ist aktuell das neue Lieblingsbuch meiner Tochter Johanna (10 Jahre).
Da kann ich nur einstimmig mit ihr 5 Sterne geben, denn wir fanden es beide super!

Sonntag, 8. Oktober 2017

Gloria Glühwürmchen 2: Gute Nacht Geschichten aus dem Glitzerwald, Kirsten Vogel & Susanne Weber, gelesen und gesungen von Sabine Bohlmann, cbj audio



Gloria Glühwürmchen 2: Gute Nacht Geschichten aus dem Glitzerwald, Kirsten Vogel & Susanne Weber,  gelesen und gesungen von Sabine Bohlmann, cbj audio
Gloria Glühwürmchen ist mit 10 neuen Abenteuern zurück, die Kindern garantiert wunderschöne Träume schenken, schon allein wegen des süßen Gloria Glühwürmchenliedes (wobei in Gloria sicherlich auch eine Portion Ohrwurm steckt, so wie ich das Lied stetig vor mich hinsumme) und der wirklich niedlichen leuchtenden Sticker fürs Kinderzimmer (diese liegen extra bei, das Cover wird nicht zerstört!).
In der ersten Geschichte wird Gloria, die als einziges Glühwürmchen leuchten, singen und fliegen kann (Fliegen können ansonsten nur männliche Glühwürmchen und ist bei den meisten Arten tatsächlich der Fall, habe ich extra nachgelesen) von Elli Eule gebeten ihr zu helfen die Nachtigallkinder zu suchen, die nach einem Flugversuch nicht ins Nest zurückkehrten. Ihr Vater gibt ein Konzert und die Mut, ihre Mutter muß das Nest hüten. Elli, die aufgrund ihrer schönen Stimme Gesangsunterricht in der Glitzerwaldschule gibt, ist leider nach lautstarker Suche inzwischen heiser und kann nicht mehr weiter suchen. Gloria hilft natürlich gerne, auch wenn sie spontan das Lied der Nachtigallen nicht nachzuahmen vermag. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister und so können Gloria und Elli gemeinsam mit Glorias Freundin der Libelle Lilli Belle, die Aufgabe lösen und die Kinder heimbringen.
Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Glorias Menschenfreund Jan, der Gloria und Lilli Belle das Morsen erklärt und die Bedeutung des internationalen Alarmcodes SOS. Weiterhin träumt Gloria davon bis zum Meer zu fliegen, von dem ihr Opa Guido erzählt hat, aber der ist schon lange nicht mehr im Glitzerwald gewesen. Also muß Gloria sowohl einen Brief an Opa Guido schreiben, mit Hilfe ihres Zwillingsbruders, der schon besser schreiben kann (da sieht man wieder wie wichtig es ist Lesen und Schreiben zu üben!), außerdem soll sie noch für den Glühwettbewerb üben, ehe ihre Eltern sie so weit weg von zu Hause lassen.
Nein, keine Sorge, diese CD ist kein Erziehungsratgeber, der Kindern das Motto „üben, üben, üben“ einbläuen soll, aber die Geschichten zeigen schon liebevoll, daß es sich lohnt sich anzustrengen und das es auch ganz schön schief gehen kann, wenn man sich über die elterlichen Regeln hinweg setzt. Aber natürlich geht am Ende alles gut aus, es ist ja schließlich eine Gute-Nacht-Geschichten-CD.
Sprachlich haben sich die Autorinnen einige wirklich tolle Schmankerl ausgedacht, z.B. wenn Gloria verkündet, sie habe volle Lauschstärke aktiviert. Da steckt die Liebe im Detail, auch sprachlich und so ist es kein Wunder, daß meine beiden Töchter mit immerhin 8 und 10 Jahren diese Geschichten immer noch lieben und richtig oft hören. Auch ich höre oft und gerne freiwillig mit. Daher ist dieses Hörbuch gerade für Familien mit vielen Kindern geeignet, weil sich dann die Großen nicht über die babyhaften Geschichten der Kleinen beschweren, sondern alle gemeinsam hören können.
Während mich Lieder bei Trickfilmen oft nerven, finde ich das Glorialied wirklich bezaubernd. Aber Vorsicht: das Lied geht ins Ohr und bleibt dort! Das ist aber nicht weiter tragisch, denn es ist wirklich richtig süß und der Text im beiliegenden Booklet abgedruckt. Sabine Bohlmann ist wirklich die stimmliche Idealbesetzung, sowohl was ihre Personifizierung der Tiere anbelangt, als auch den Gesang. Jede noch so kleine Rolle wird stimmlich von den anderen abgegrenzt.
Auch wenn die Geschichten bisweilen aufregend und spannend sind, sind sie auch wirklich gut für kleinere Kinder geeignet, da die Geschichten jeweils durch das Glorialied voneinander getrennt werden. Gerade bei kleinen Kindern ab 4 Jahren, reicht die Konzentrationsspanne nicht für 2 CD’s von insgesamt 2 h 20 min Laufzeit. Durch die Tracks kann man aber gut den einzelnen Geschichten separat folgen, da man Beginn und Ende auch mit Hilfe des Booklet schnell wieder findet. Die hinreißenden Illustrationen von Martina Matos zieren nicht nur das Cover, die bereits erwähnten Leuchtsticker, das Booklet, sondern auch die Tonträger. Da kann einfach kein Download oder Streaming mithalten.
Wirklich rundum gelungen und daher erhält es hoch verdiente 5 von 5 Sternen.

Samstag, 7. Oktober 2017

Liliane Susewind 12: Giraffen übersieht man nicht, Tanya Stewner, KJB Fischer



Liliane Susewind 12: Giraffen übersieht man nicht, Tanya Stewner, KJB Fischer
Zum 10. Geburtstag von Liliane Susewind erscheint dieser 12. Band zum Selberlesen ab 8 Jahren mit richtig süßen Stickern.
Es sind Ferien und die Familien Susewind und Sturmwagner treten nun endlich die Reise zu Jesajahs Afrikanischen Großeltern auf der Dandelion Farm in Namibia an. Es ist Ende der Regenzeit und Lilli, Jesajah und die Tiere sind ziemlich aufgeregt, es könnte richtig toll werden, wären da nicht ständig die Erwartungen und Ermahnungen ihrer Eltern. Lilli soll nach Willen ihrer Mutter auf gar keinen Fall mit den wilden Tieren sprechen, wer weiß wie diese reagieren mögen und ob die wilden Raubtiere Lilli nicht noch angreifen würden und Jesajah soll Namibia unbedingt so wahrnehmen, wie sein Vater es ihm vorgibt. Zudem soll er schnell noch ein paar Worte auf Afrikaans lernen, und dass er Nasenbluten von der trockenen Luft bekommt, das geht ja schon mal überhaupt nicht! Doch so springt man nicht mit Lilli und Jesajah um, die stets nach ihren eigenen Überzeugungen zum Wohle der Tiere handeln. Als sie dann doch, trotz der Warnungen von Lillis Mutter an einer Safari teilnehmen, merken die zwei schnell, dass auf der Farm etwas nicht stimmt und die Tiere ihre Hilfe brauchen.
Meine Töchter (10 und 8 Jahren) haben sich gleich auf den ersten Seiten wieder über Hund Bonsai und die werte Katzendame Frau von Schmidt kaputt gelacht. Aber natürlich ist auch dieses Abenteuer nicht nur witzig und spannend, sondern widmet sich wieder dem wichtigen Thema Tier- und Artenschutz. Hier geht es um die wirtschaftlichen Sorgen der Farmer in Namibia, sowie die wirtschaftlich bedeutsame Trophäenjagd. Gerade aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Jagd gefiel es mir sehr gut, daß beide Seiten ihre Argumente vorbringen dürfen. In Namibia gibt es strenge, reglementierende Gesetze, die die Trophäenjagd unter naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten erlaubt, aber die Jagd innerhalb des erlaubten Bereichs ist vielen zu langweilig und wenn Geld keine Rolle spielt, meinen sie auch sich über Gesetze hinweg setzen zu dürfen. Das diese Regeln für alle gelten, und kein Geld der Welt es akzeptabel macht das Leittier einer Herde zu schießen, nur weil diese Trophäe besonders prachtvoll ist, wird Kindern wirklich sehr verständlich nahe gebracht. Dabei ist auch sehr schön, daß Lilli Vegetarierin ist, im Gegensatz zu Jesajah z.B. dadurch wird die Möglichkeit vorgestellt, ohne andere Lebensweisen zu verdammen. Aber keine Sorge, dieser Band ist kein Bekennerbuch zur Bekehrung zu einer vegetarischen Lebensweise. Es ist ein Kinderbuch, das auffordert seinem Gewissen zu folgen, um das Richtige zu tun. Neben der Trophäenjagd lernt Lilli auch den Stamm der Himba kennen, seltene besonders wirksame Heilpflanzen und die Gefahren einer Nacht in der Savanne. Denn ganz ehrlich, Lilli und Jesajah handeln bisweilen ganz schön blauäugig und kommen aber dank der tierischen Unterstützung stets heil aus brenzligen Situationen heraus. Auch Timo der Himbajunge, zeigt den Lesern auf, dass Kinder in fremden Ländern bisweilen völlig anders leben und lange Schulwege zu Fuß (ja, man muß nicht von Mama oder Papa bis in den Klassenraum gefahren werden!) zurücklegen um in den Genuss von Bildung zu kommen.  Neben dem Respekt vor dem Leben vermittelt dieser Band auch wieder den Respekt vor Kindern. Denn jedes Mal fällt uns auf, daß Lillis Mutter und Jesajahs Vater Vertrauen in ihre Kinder vermissen lassen und ihnen stets ihre Meinung und ihre Verhaltensweisen aufdrücken wollen, dabei haben sich Lilli und Jesajah in der Vergangenheit als durchaus vertrauenswürdig erwiesen.
Die Illustrationen und Vignetten von Eva Schöffmann-Davidov sind wieder herzallerliebst, wie man bereits an dem Cover erkennt. Die Schrift ist schön groß (aber kleiner als für Anfänger) und der Wortschatz dem Alter angemessen. Dabei kommen immer wieder Wortschöpfungen der Autorin vor, die man nur verstehen kann, wenn man sie richtig, Silbe für Silbe liest. Das finde ich eigentlich ganz gut, weil es zum sorgfältigen Lesen zwingt. Huscht man nur so über die Seiten, wird es kniffelig. Bisweilen ist es ganz schön spannend, da kommt man leicht in Versuchung ein wenig schludriger zu lesen, aber dann stolpert man über eine Wortschöpfung, oder eine Tierart mit besonderer Ausdrucksweise und schon muß man besonders hinsehen. Auch wenn sich dieser Band eigentlich den Giraffen widmet, sind die heimlichen Stars die Erdmännchenjungtiere Schnick, Schnack und Schnuck mit ihrer lustigen, comichaften Ausdrucksweise.
Was Johanna und Franziska am besten gefiel: Alles!
Bei so viel Begeisterung wird Lilli wohl noch einige weitere Abenteuer erleben, denn wir geben wieder verdiente 5 von 5 Sternen.