Dienstag, 12. Dezember 2017

Kinderbuchadvent




Zum 1. Dezember startet unser gemeinsamer Adventskalender der Kinderbuchbloggerinnen.
Am 10. Dezember und am 23. sind wir hier an der Reihe. Es starten die täglichen Gewinnspiele bei Anna von den Kinderbuchdetektiven und hier findet ihr die Übersicht der einzelnen Blogs und Ihrer Daten!

Ein Dings namens Schröder – Hartmut El Kurdi, Marine Ludin (Illustr.), Tulipan kleiner Roman


 
Ein Dings namens Schröder – Hartmut El Kurdi, Marine Ludin (Illustr.), Tulipan kleiner Roman

Im Rahmen unseres Kinderbuchadventskalenders freue ich mich Euch heute zum 10. Türchen ein ganz besonderes Weihnachtsbuch vorzustellen und zu verlosen:
Dies ist eine ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte, auch wenn der Titel es nicht vermuten läßt!
Es ist Heiligabend, das Fest der Liebe und der Versöhnung steht vor der Tür. Aber leider nicht bei Lilly! Ihre Eltern streiten sich wie die Kesselflicker, über den krummen Baum, das Essen und überhaupt und sowieso. Manchmal brauchen Paare ja keinen Grund zum Streiten. Für die Kinder ist es dennoch entsetzlich und so rettet sich Lilly schnell auf den Hof, denn sie ahnt, daß es mit dem Eintreffen der Omas noch schlimmer werden wird! Auf dem Hof trifft sie ihren muslimischen Freund Karim, der auch so gerne einen Weihnachtsbaum hätte, aber nicht darf. Um sich von ihrem Kummer abzulenken unternehmen sie ein Wettretten. Dummerweise kommt es dabei zu einem Unfall mit einer Rollerfahrerin im weißen Overall und mit wilden blonden Locken, die anschließend ihr Gedächtnis verloren hat. Dieser wie vom Himmel gefallene Engel beschließt einfach Lilly nach Hause zu begleiten, sie hat da so ein Gefühl, so wie sie meint Schröder zu heißen und ein Dings zu sein. Dieser etwas schräge Engel sorgt für das schönste Weihnachtsfest für Lilly und irgendwie auch für Karim.
Dieses Buch ist wirklich sehr ungewöhnlich, denn es beginnt mit Zank und Streit. Aber es behandelt aber viele wirklich aktuelle Themen für Kinder, mit sehr viel Humor und Einfühlungsvermögen! So hätte Karim gerne einen Weihnachtsbaum, einfach weil er ihn so schön findet und das ohne sich von seiner Herkunft und seiner Religion distanzieren zu wollen. Das geht vielen Kinder von Migranten, überall auf der Welt so. Lilly hingegen wünscht sich vor allem, daß ihre Familie endlich mal aufhört zu streiten, auch das ist leider Alltag. Ebenso die die verwirrte Omi und die herrische Oma, die noch zusätzlich die schlechte Stimmung anheizen, obwohl doch alles so schön sein könnte, mit etwas Geduld und Toleranz. Die Hauptsache ist es doch, daß man sich liebt, den Rest bekommt man dann auch schon hin. Eine wichtige Erkenntnis, die im Alltag leider viel zu oft untergeht und in Nichtigkeiten ertrinkt. Manchmal kommt das Glück wie hier unverhofft und unangemeldet, es drängt sich einfach hinein und dann sollten wir es zulassen, uns darüber freuen und mit ihm lachen. Dass ein Engel einfach nur Schröder heißt und Motorrad fährt, ist für Kinder ein Riesenspaß!
Es ist ein wunderbar warmherziges und lustiges Buch, trotz des Familienzanks. Man sollte es selbst lesen oder vorlesen, um es sich besser vorstellen zu können und wird dabei durch viele farbenfrohe, fröhliche Bilder von Marine Ludin noch belohnt.
Diese Weihnachtsgeschichte kommt aus der Tulipan Reihe: Kleiner Roman, der sicheren Leseanfängern mit längeren Geschichten ein Erfolgserlebnis vermittelt, daß sie es schon geschafft haben, einen ganzen Roman alleine zu lesen! Dies ist eine schöne Idee, da jeder kleine Leser anders ist. Einige brauchen ganz kurze Sätze und wenig Text pro Seite, an diese richtet sich die Tulipan ABC Reihe, dass seine Geschichte nach Lesekompetenzstufen, statt nach Alter einteilt und diese Reihe ist eben für die besonders engagierten Jungleser! Dennoch ist das Vorlesen dieses Buches gerade in der Weihnachtszeit nicht verboten und macht auch gerade Eltern Spaß!
Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses wunderbare Verlosungsexemplar für unseren Kinderbuchadventskalender beim Tulipan Verlag.

Montag, 11. Dezember 2017

Der große Lord, Raymond A. Scofield, Weihnachtshörspiel, WDR und Head Room Sound Productions



Der große Lord, Raymond A. Scofield, Weihnachtshörspiel, WDR und Head Room Sound Productions
Jedes Jahr schauen wir mit den Kindern „Der kleine Lord“ im Fernsehen und es ist soooo schön. Als ich auf der Buchmesse dann das Hörspiel zur Fortsetzung sah, dachte ich gleich: das muß ich hören! Dabei mag ich Hörspiele gar nicht so…. Aber worum geht es denn:
An Heiligabend erscheint in Erleboro auf der Polizeiwache ein junger Mann und verlangt festgenommen zu werden, da er Lord Fauntleroy erschossen habe! Der diensthabende Wachtmeister Paddock ist ganz erstaunt und hört sich mit immer größerem Interesse die Geschichte an, die der junge Mann zu erzählen hat. Als Achtjähriger kam er mit seiner Mutter aus Amerika und war für kurze Zeit Cedric, der junge Lord Fauntleroy, bis es zu einem fatalen Unfall kam, den Anwalt Mr. Havisham ihnen als Mord ins Gewissen redete. Er gab vor, ihnen helfen zu wollen und so übergab er Cedric einem Slumlord und hieß von nun an Tom Tipton und seine geliebt Mutter blieb in der Hand des skrupellosen Anwalts zurück. Doch die Unbekümmertheit des kleinen Lords und sein gutes Herz lassen ihn auch in den Slums gute Freunde finden und als das Schicksal ihn nach Windsor Castle führt, nimmt sein offenes Wesen auch dort die Herzen der Damen für sich ein!
Der Beginn der Geschichte, der Wandel des wohlwollenden Anwalts zum fiesen Schurken, ist für mich nicht ganz so nachvollziehbar. Cedrics Leben in den Slums hingegen sehr realistisch, man wird unwillkürlich an Oliver Twist erinnert. So trifft Cedric wie auch Oliver immer wieder auf gute Menschen, doch Slumlord Charlie Froggat, hält ihn fest in seinen Fängen und will ihn zu immer schändlicheren Machenschaften heran ziehen und sogar seine eigene liebenswerte Großtante Lady Constantina bestehlen. Doch schafft Cedric es mit seinem guten Herzen ein gutes Ende zu finden. Dieses gute Ende, läßt jedoch sehr lange auf sich warten, was es für mich ein wenig abschwächt. Seine unfreiwillige Trennung von seiner Mutter und seiner übrigen Familie dauert so lange, es ist unwiederbringlich verlorene Lebenszeit, die sich nicht nachholen lässt, vor allem nicht für seine Mutter.
Oft habe ich bei Hörspielen das Problem, daß ich der Handlung nicht folgen kann, weil ich die Stimmen nicht schnell genug auseinander halten kann. Dieses Problem stellt sich hier nicht. Die Stimmen sind sehr angenehm, gut verständlich und unterscheidbar. Aber auch zwischen den Dialogen werden genügend Hinweise gestreut, daß man immer genau weiß, was gerade passiert und wer gerade spricht. Dass keine total bekannten Stimmen mitsprechen finde ich eigentlich ganz angenehm, so wird man weniger abgelenkt und es sticht kein einzelner heraus. Auch unangenehme Lautstärkeschwankungen konnte ich nicht feststellen. Die Verständlichkeit der Produktion ist ausgezeichnet.
Dieses Hörspiel entstammt dem WDR-Hörfunk-Programm und wurde an zwei Sendeterminen ausgestrahlt, so daß beide Tonträger gleich lang besprochen sind und CD 2 noch einmal mit einer kurzen Zusammenfassung des bisher erlebten beginnt. Eigentlich sehr komfortabel.
Hörspiele haben es so an sich, daß sie den ursprünglichen Text stark verkürzen und ich fürchte, dies ist der Grund dafür, daß ich einige Entwicklungen der Geschichte als etwas zu schnell empfinde. Da dies aber nun ein Charakteristikum eines Hörspiels ist, ziehe ich hierfür nur einen Stern ab.
Die Klapphülle ist ebenso wie die Tonträger sehr liebevoll und weihnachtlich gestaltet. Sämtliche Sprecher und ihre Rollen sind aufgelistet.
Für mich eine schöne stimmungsvolle Fortsetzung des kleinen Lords. Nicht ganz perfekt, aber schon schön. Zuerst hatte ich so meine Zweifel, ob es so passend für Hörer ab 8 Jahren sei, zu hören wie Cedric in den Slums zu einem Trickbetrüger ausgebildet werden soll, doch auf Grund der weiteren Entwicklung kann man das Hörspiel durchaus ab 8 Jahren empfehlen.
Lord Fauntleroy gehört einfach zu Weihnachten und ich habe mich sehr über die Fortsetzung gefreut und so geben wir trotz der Schwächen noch gute 4 von 5 Sternen.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei den Head Room Sound Productions für dieses Rezensionsexemplar!

Samstag, 9. Dezember 2017

Wer hustet da im Weihnachtsbaum? Sabine Ludwig, Illus. Ute Krause, rororo rotfuchs



Wer hustet da im Weihnachtsbaum? Sabine Ludwig, Illus. Ute Krause, rororo rotfuchs
Dies ist kein Adventskalenderbuch, sondern einfach eine sehr witzige, kurze Weihnachtsgeschichte, mit tollen Illustrationen!
Alle Jahre wieder kommt Großtante Traudl am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Besuch und extra für sie, gibt es Gans mit Rotkohl und Kartoffelknödeln, obwohl niemand in der Familie Gans mag. Aber Mama möchte doch so gerne später mal Tante Traudl Biedermeier-Kommode bekommen! Und Hannes möchte nichts lieber als ein Haustier, darf aber keines haben, weil sie zu viel Dreck machen. Doch dieses Jahr ist alles anders: Tante Traudl liegt mit Grippe im Bett! Als der Opa seines besten Freundes ins Heim kommt, darf der seinen sprechenden Wellensittich Bubi nicht mitnehmen. Seine Tochter ist jedoch gegen Federn allergisch und nun sucht der Vogel samt Käfig ein neues zu Hause. Da muß Hannes einfach zugreifen! Bis er Mama so weit hat, will er Bubi in der Wohnung von Nachbarin Frau Moll unterbringen, deren Blumen er gießen soll, während sie verreist ist. Dumm nur, daß seine kleine Schwester und der misstrauische Vermieter ständig hinter ihm her schnüffeln. Luzie ist erst in der 1. Klasse und verplappert sich ständig. Das chaotischste und aufregendste Weihnachten aller Zeiten steht vor der Tür!
Dieses Buch hat 123 Seiten und ist herrlich farbig illustriert von Ute Krause. Auch wenn sie das Buch nicht selbst geschrieben hat: sie legt wirklich Wert aufs Detail! Sie kennt den Text wirklich, denn die Illustrationen sind haargenau auf den Text abgestimmt, das weiß ich richtig zu schätzen! Und die Leser ab 8 Jahren sicher auch, die selbst als Lesemuffel diese Geschichte innerhalb der Weihnachtszeit schaffen können. Allerdings empfinde ich die Schrift für dieses Alter als schon etwas klein.
In diesem Buch lernen wir eine ganz normale Familie kennen. Keine Fantasy-Elemente, keine Magie, keine Vorzeigekinder. Da gibt es Zank und Streit und die Kinder sagen nicht die Wahrheit. Die Erwachsenen machen es ihnen aber auch nicht leicht! Es ist einfach herrlich witzig, wie aus alltäglichen Situationen solche Missverständnisse und Chaos entstehen können. Sabine Ludwig hat einfach ein Auge für Alltagskomik, die uns wirklich laut hat los lachen lassen. In ganz vielen Punkten erkennen sich sämtliche Familienmitglieder wieder, aber durch die Schilderungen, schafft Sabine Ludwig es, daß wir quasi über uns selbst lachen. Auch bei uns dürfen die Kinder eigentlich kein Haustier haben, denn Chaos können wir auch ohne Tier…. Aber dann haben sich die Kinder eine streunende Katze angelacht…
Immer wieder ist man gespannt, wann denn der ewig lauernde Vermieter Herr Dobelmann wieder auftaucht und schnüffelt, oder Luzie ihren nächsten Erpressungsversuch startet. Jaaaaa, vorbildlich geht anders, aber real ist es schon und es ist ja noch nicht aller Tage Abend!
Die Geschichte hat meinen Kindern und mir richtig gut gefallen! Meine Jüngste wollte sie im Anschluß direkt noch mal alleine, für sich lesen, weil es so witzig ist. Geschichten brauchen oft kein großes Brimborium (oder Gedöns wie wir Rheinländer sagen), der Witz liegt oft im Detail und als ich unseren Weihnachtsbaum kaufte und in den Christbaumständer zwängte, mußte ich einfach grinsen, weil ich an Vater Trautwein denken musste…
Einfach herrlich, da hätte Loriot sicher seine Freude dran gehabt und Familie Hoppenstedt hätte mitgefeiert!
5 von 5 Sternen!

Freitag, 8. Dezember 2017

Spoon Food 120 Wohlfühlsuppen, Bianca-Rafaela & Michael Baswald, Löwenzahn



Spoon Food 120 Wohlfühlsuppen, Bianca-Rafaela & Michael Baswald, Löwenzahn
Ich liebe Suppen und dieses Buch hat mich soooo lange schon angelacht, daß ich total glücklich war, es bei Lovely Books im Rahmen einer Leserunde zu gewinnen. Hierfür sollte man 3 Rezepte testen, wer mir auf FB folgt, der hat festgestellt, bei 3 Rezepten ist es nicht geblieben!
Dieses Buch bietet mehr als nur 120 Suppen bzw. Eintöpfe, die nach den vier Jahreszeiten sortiert sind. Es bietet Grundrezepte für Gemüsebrühe, Hühnerbrühe und Rindsbrühe, sowie Grundrezepte für die Beilagen Croutons, Nockerl, Ciabatta, Semmelknödel, Fleischbällchen, Cranberry-Couscous und Naan-Brot. Es endet mit einem Saison-Kalender für frische Zutaten, einem Glossar, der auch deshalb praktisch ist, weil es ein Österreichischer Verlag ist und einige Zutaten innerhalb von Österreich, der Schweiz und Deutschland andere Namen tragen, anschließend vor das Alphabetische Rezeptregister und das wird viele Veganer, Vegetarier, Lactose- oder Glutenintolerante freuen: ein Rezeptregister nach Ernährungsgewohnheiten! Das finde ich super, auch wenn ich nicht unter diese Kategorien falle, in Suppe Croutons oder Nockerl zu werfen, oder Sahne zu zufügen oder mit Hackfleisch sättingender zu machen, das bekomme ich schon hin.
Jedes Rezept ist mit einem wirklich appetitanregenden Foto versehen, schon optisch ist das Buch ein Genuß. Mehr Fotos von meinen Kochversuchen findet Ihr bei Facebook unter danielamariaursula
Ausprobiert habe ich jetzt im Herbst/Winter aus mindestens jeder Jahreszeit ein Rezept
Aus dem Bereich Frühling probierte ich die Kartoffel-Lauch-Cremesuppe. Sehr lecker, sehr einfach und mit selbstgemachten Croutons ein absoluter Genuss. Die Croutons aus altem Brot waren der absolute Liebling, sie wollte sie nun täglich essen, aber unser Brot ist ja nicht immer alt und frisches Brot braucht länger, um so richtig schön knusprig zu werden.
Der Karfiol-Kartoffel-Eintopf mit Kokosmilch kam bei uns Eltern auch sehr gut an (Karfiol für Blumenkohl finde ich echt klasse!), gerade die Kokosmilch verlieh diesem Eintopf eine besondere Note und Kokosöl habe ich nun auch immer vorrätig. Die Große fand die Kokosmilch aber nicht gut, da sie keine Kokosnuss mag.
Im Sommer-Teil lockte die Brokkolicremesuppe mit knusprigen Croutons (ja, die sind nun ein Muss) hatte mich etwas enttäuscht, bis ich feststellt, daß man sie besser vorkochen sollte. Als ich die Reste aufwärmte, fand ich sie viel aromatischer und sämiger. Auch diese Suppe ging schnell und einfach.
Gestern gab es den Kartoffel-Lauch-Pilz-Eintopf, zu sehen hier auf dem Foto, super lecker, da war ich richtig froh, daß meine Kinder keine Pilze mögen, da blieb mehr für mich! Aber man sollte schon für eine Einlage sorgen, um satt zu werden.
Bei den Winterrezepten brachte mich die Weißkohlsuppe an meine Grenzen. So ein Weißkohl ist ja riesig, wenn man ihn selbst zerteilen will! Dafür konnte ich aus einem Kopf allerdings auch mehr als einmal Suppe kochen, da wir keine größeren Töpfe haben. Mein Mann fand es super lecker und wollte mehrfach Nachschlag, die Große sah uns nur entgeistert an und das lag nicht nur daran, daß sie an dem Tag richtig krank war…
Nun könnte man meinen, die Rezepte wären jetzt nicht so unterschiedlich, ein wenig einseitig, aber das stimmt nicht, denn sie variieren vom Fenchel-Hühner-Eintopf, über Indischen-Kurkuma-Gemüse-Eintopf und Gemüse-Chili-mit Wraps oder Ratatouille mit Basmati-Reis. Allerdings sind einige Rezepte wirklich saisongebundener und andererseits, hat mein Mann das Problem, daß seine Frauen sehr speziell bei den Zutaten sind. Umso erstaunlicher ist es, daß nach 5 Suppen, mich immer noch ganz viele Rezepte anlachen, die ich ganz sicher noch ausprobieren werde. Irgendwann gibt es auf jeden Fall noch die Knoblauchcremesuppe und Zwiebelsuppe für die Eltern und auch die Bärlauchsuppe rufen nach mir und nicht nur die, die Liste könnte aber bis zu 100 weitere Rezepte lang werden.
Eigentlich sollten die Rezepte immer auf 4 Personen abgestimmt sein, aber der Hunger fällt ja bisweilen unterschiedlich aus. Das macht nicht wirklich was, denn wenn man mehrere Rezepte ausprobiert hat, dann versteht man das Prinzip, nachdem man Suppen und Eintöpfe ziemlich leicht selbst mit dem Inhalt des eigenen Kühlschrankes oder der Gemüsebeete zubereiten kann. Das gefällt mir sehr gut. Die Rezepte sind gut und übersichtlich aufgebaut und gegliedert. Durch die Hinweise, welche Zutaten man weglassen oder hinzugeben kann, um sie Vegan oder gluten-frei zuzubereiten, kann man sich auch gut ableiten, wie man die Rezepte selbst variieren kann, insbesondere da zu Beginn in den Basics darauf hingewiesen wird, worauf beim Suppenkochen zu achten ist und welche Basics man immer im Hause haben sollte. Das ist prima, kommt man Sonntag-Abends verfroren aus dem Schnee, kann man sich so nämlich leicht ein nahrhaftes gesundes Süppchen zum Aufwärmen kochen. Lecker!
Die Autoren wissen aber auch was schmeckt, denn sie leben davon, in Wien betreiben sie gemeinsam das Lokal „Spoonfood“.
Ganz sicher wird dies eines meiner am häufigsten benutzen Kochbücher werden!
Begeisterte 5 von 5 Sternen!

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Der Weihnachtosaurus, Tom Fletcher, Lesung mit Musik mit Simon Jäger, DAV



Der Weihnachtosaurus, Tom Fletcher, Lesung mit Musik mit Simon Jäger, DAV
Auch wenn auf dem Cover ein süßer Saurier ist,  ist dies keine Weihnachtsgeschichte für Kleinkinder!
Der kleine William Trudel ist ein glückliches Kind, auch wenn seine Mutter vor Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam und er nun alleine mit seinem Vater in einem windschiefen Haus in London in bescheidenen Verhältnissen lebt. Er hat Freunde, sein Vater ist der Weltgrößte Weihnachtsfan und er der weltgrößte Dinosaurier Fan. Als sich sein Leben 3 Jahre später zum Schlechten gewandelt hat, weil die fiese Brenda Pein ihm nun an der Schule das Leben zur Hölle macht und er erstmals wahrnimmt, wie traurig sein Vater aussieht, gibt dieser ihm für seinen Weihnachtswunsch einen Rat: er solle sich das wünschen, was er am liebsten hätte, erst durch den Glauben werden Wünsche wahr! Also wünscht er sich einen Dinosaurier!
Der Weihnachtsann ist bei dem Wunsch etwas ratlos, einen echten Dinosaurier wird sich der kleine William Trudel in seinem Rollstuhl wohl kaum wünschen, aber was will er dann für einen? Wie gut, daß die Wichtel ein Dinosaurier-Ei im ewigen Nordpol-Eis gefunden haben, das der Weihnachtsmann mit seinem gigantischen Po ausgebrütet hat. Die perfekte Vorlage für einen Kuscheldino. Doch bei der Geschenkübergabe kommt alles anders, denn ein böser Jäger hat es auf die magischen, fliegenden Rentiere des Weihnachtsmannes abgesehen. Eine magische, aberwitzige und spannende Jagd beginnt!
Diese Geschichte steht in der britischen Erzähltradition von C.S. Lewis und J.K. Rowling. Fantastisch, abenteuerlich und sehr spannend. Die Weihnachtswichtel sprechen bzw. singen ausschließlich in Reimen, bei deren Übersetzung es des ganzen Sprachgefühls von Franziska Gehm bedurfte, diese bisweilen recht umfangreichen Botschaften in sinnvolle Reime zu verpacken. Alle Achtung für diese Leistung, ein wenig eigen wirken sie trotzdem. Beim Kürzen des Buches, sind auch einige dieser Wichtelreime entfallen. Das finde ich sogar ganz gut, da die Wichtel oft gemeinsam sprechen. Das liest sich völlig unproblematisch, aber das akustisch umzusetzen ist nicht so ohne. Der Audio Verlag nahm hierfür extra weitere Wichtelsprecher mit auf. Das klingt zwar sehr süß, wenn man wie ich es aber leise zum Einschlafen hört, finde ich es schwer verständlich, weil mehrere zarte Stimmen übereinander gelegt worden zu sein scheinen.
Neben den Wichteln gibt es natürlich noch die Hauptstimme von Simon Jäger. Mich hat er anfangs etwas an die Synchronstimme von Tom Hanks erinnert, aber das hat sich gegeben. Ich finde seine Stimme sehr angenehm, weniger allerdings in seiner Tonlage des Vaters. Als Engländer ist er ein recht junger Vater und ich finde, daß er einfach zu alt und schrullig als Vater klingt. Die übrigen Stimmfarben von Simon Jäger finde ich allerdings sehr gelungen. Meine Jüngste 8 Jahre fand ihn auch sehr gut, die Große 10 Jahre, war mit ihm nicht zufrieden. Das dürfte am Alter liegen, ich habe oft den Verdacht, daß Sprecher mehr Gnade in ihren Ohren finden würden, wenn man kein Bild von ihnen abdrucken würde, dabei ist Simon Jäger optisch nicht zu beanstanden, sieht aber schon älter aus als 10 oder 12. Was sie allerdings wirklich störte, war daß in der Hörbuchfassung, das fiese Mädchen „Pein“ auf Deutsch ausgesprochen wurde, während ich mir die Freiheit genommen hatte sie englisch „Pain“ zu taufen und die Bedeutung  als Schmerz zu erklären. Daß die Hörfassung von meiner dichterischen Freiheit abwich, fand sie nicht gut, vor allem weil das gute alte Wort „Pein“ Kindern heute wohl kein Begriff mehr ist. Sehr gelungen finde ich hingegen die Musikeinspielungen, die wirklich sehr atmosphärisch geglückt sind. Ebenfalls toll ist die Umsetzung der wunderbaren Zeichnungen auf Cover und Tonträger. Die Illustrationen von Shane Devries sind wirklich ganz hinreißend und so gefällt es mir umso besser, daß die Zeichnungen von der Nordpolranch auf dem Klappcover abgebildet sind.
Meine Kinder waren von dieser Geschichte ganz verzaubert und so widersprüchlich die Begriffe Weihnachten und Dinosaurier auch zu sein scheinen, es passt eigentlich schon gut zusammen, denn neben aller Magie und Fantasy geht es auch um weihnachtliche Botschaften wie Versöhnung, die Macht der Liebe und des Glaubens. „Wichtig ist allein, dass das, was immer du auch glaubst, dich zu einem glücklicheren, besseren Menschen macht.“ Es hat bei Ihnen echte Emotionen hervorgerufen, sie haben an den passenden Stellen gelacht und Tränen verdrückt. Meinen Mann hat es auch sehr begeistert, daß Williams sehnlichster Wunsch es nicht war, wieder laufen zu können, denn solange er Freunde hatte, hat ihn sein Rolli nicht weiter gestört, denn er war voll in die Klasse integriert. Ein wirklich schöner Punkt ist in dieser Geschichte, daß für William weder sein Rolli, noch seine kraftlosen Beine ein Problem sind, das Problem ist Brenda, die die anderen, die zuvor seine Freunde waren, gegen ihn aufbringt und ihn aufzieht.
Bei Online Buchhändlern lese ich immer schlechte Kritiken, wenn ein Weihnachtsbuch keine 24. Kapitel hat. Hat dieses Buch wirklich nicht. Ich habe auch so meine Zweifel, dass es die meisten Vorleser schaffen würden, dieses Buch an 24 Tagen in einheitlich langen „Portionen“ vorzulesen, selbst das gekürzte Hörbuch kommt auf deutlich mehr Kapitel. Es muss auch einfach mal schöne Weihnachtsgeschichten geben. Diese Geschichte ist richtig magisch und voller Poesie, die zwischen den Zeilen steckt, von daher haben wir uns nachdem ich das Buch vorgelesen habe, entschieden, daß wir dringend das Hörbuch brauchen, weil ich das Buch sicher nur einmal vorlese, die Kinder diese Geschichte aber öfter hören wollen.
Dieses Buch ist für Jungen und Mädchen die die Narnia-Chroniken oder Harry Potter lieben gleichermaßen geeignet, also ab 8 Jahren.
Allerdings: Ja, es geht um Verzeihung und Versöhnung, aber nicht im Hinblick auf den Bösewicht! Dessen Ende hat mir in einer weihnachtlichen Kindergeschichte ab 8 Jahren nicht gefallen. Ich kann ja mit Weihnachtsdinos um Gottes Willen leben, aber das Schicksal des Schurken war mir wirklich zu unweihnachtlich. Irgendwo ist dann meine Grenze überschritten und so gibt es trotz der totalen Begeisterung meiner Töchter und meines Mannes „nur“ gute 4 von 5 Sternen.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim DAV-Verlag für dieses Hörexemplar, denn es ist eine Geschichte, die man immer wieder gerne hört und bei der man immer wieder wunderbare Gedanken neu entdeckt.

Dienstag, 5. Dezember 2017

Zeitreise auf 4 Pfoten Bd.2: Ein Pony für den König, Michael Koglin, Fréderic Bertrand, Schneiderbuch



Zeitreise auf 4 Pfoten Bd.2: Ein Pony für den König, Michael Koglin, Fréderic Bertrand, Schneiderbuch
Was bisher geschah: Lias Opa ist der verkannte Professor Tempus, dem es nach vielen Jahren endlich gelungen ist, eine Zeitmaschine zu bauen. Zu dumm nur, daß er den Sicherungshebel vergessen hat umzulegen und so ist die Zeitmaschine ganz alleine durch die Zeit gereist und hat von jeder Reise ein Tier mitgebracht. Nun stehen auf der kleinen Koppel von Professor Tempus kleinem Bauernhof jede Menge Tiere, die für die Zeitgeschichte von fundamentaler Bedeutung sind: Katze, Pony, Rabe, Dino…. Um die Zeitachse wieder ins Lot zu bringen, müssen Lia, ihr Opa und dessen Hund Madame Curie, genannt Curry, alle Tiere wieder zurück bringen.
Kaum sind sie von ihrem Ägyptenabteuer zurück, schon knurrt Curry wieder der Magen. Doch zum Futtern ist gerade keine Zeit, das Pony muß unbedingt ins 12. Jahrhundert nach England an den Hof von Prinz Löwenherz zurück gebracht werden. Sollten sie das nicht schaffen verliert der gute Prinz das Turnier gegen den fiesen Ritter Eisenblatt und er wird niemals König! Unvorstellbar, was das für Konsequenzen für die späteren Zeiten hätte. Doch wie sollen sie das Pony zurück bringen und wofür ist es so wichtig? Kaum sind die 3 im mittelalterlichen London angekommen, treffen sie den Knappen des Prinzen Casper, der schon verzweifelt nach dem Pony sucht. Wer glaubt, daß nun alles ganz einfach wäre, der irrt! Nun fängt die Aufregung erst an!
Sehr witzig an dieser Zeitreisereihe ist, daß sie aus Sicht des gefräßigen aber mutigen Hundes Curry erzählt wird. Dieser Held der Geschichte wird oft von Wachen übersehen und unterschätzt, aber gerade darin liegt seine Stärke, hätte er nur nicht ständig Hunger! Obwohl dieses Buch für Leseanfänger ab 2./3. Schuljahr recht kurz ist, schafft der Autor es dennoch, dass man die Zeitreisenden in sein Herz schließt. Allen voran natürlich die pfiffige Curry. Die Illustrationen von Fréderic Bertrand, der vor allem für seine Illustrationen von Gespenstergeschichten bekannt ist, sind richtig witzig und lockern das Abenteuer wunderbar auf. Die Idee, warum gerade scheinbar unbedeutende Tiere für den Lauf der Geschichte von fundamentaler Bedeutung sind, ist sehr orginell und hebt sich von aktuellen Zeitreise Geschichten ab. Dennoch schafft Michael Koglin es nebenbei so viel Wissen über das Leben in der damaligen Zeit mit Humor zu vermitteln, daß auch mitlesende Eltern noch was dazu lernen können. Ehrlich, ohne das hinten angehängte Glossar hätte ich keine Ahnung gehabt, was ein Plattner ist! Selbst in der Mittelalterreihe während des 3. Schuljahrs der Großen kam das nicht vor, ein Beruf der damals aber gang und gäbe war (er schmiedet Eisenblatt für die Rüstungen). Aber das war nicht alles, was ich dazu gelernt habe.
Durch meine Jüngste habe ich gemerkt, wie geschickt der Blickwinkel des Hundes gewählt ist. Curry ist lustig und mutig und natürlich immer hungrig! Kinder können sich unglaublich gut mit Tieren identifizieren und lesen dadurch mit viel mehr Begeisterung weiter. Das ist es ja, was erreicht werden soll: Freude am Lesen zu wecken. Außerdem sind selbst die unbekannten Begriffe wie „Hellebarde“ oder „Katapult“ für Leseanfänger ohne größere Schwierigkeiten eigenständig erlesbar, sofern sie noch nicht bekannt sind. Trotz der fremden Zeit ist das Vokabular dennoch geeignet für Leseanfänger, sie werden bisweilen etwas gefordert, aber nicht überfordert. Dafür werden sie mit jeder Menge Spaß und Abenteuer belohnt!
Ein tolles Buch für den jungen Lesenachwuchs, für Jungen wie für Mädchen, je nach Lesekompetenz ab ca. 2. Klasse.
Wir vergeben begeisterte 5 von 5 Sternen!

Montag, 4. Dezember 2017

Die Nordseedetektive 5: Der versunkene Piratenschatz, Bettina Göschl & Klaus-Peter Wolf, gesprochen von Robert Missler, Jumbo



Die Nordseedetektive 5: Der versunkene Piratenschatz, Bettina Göschl & Klaus-Peter Wolf, gesprochen von Robert Missler, Jumbo
Hinter den Nordseedetektiven versteckt sich Familie Jansen, die von ihrem Onkel dem Meisterdetektiv Theodor C. Janssen eine alte Villa hinterm Deich mit eingerichtetem Detektivbüro geerbt hat. Mutter Sarah ist Sängerin und Schauspielerin und Vater Mick träumt von seinem großen Durchbruch als Schriftsteller und lebt bisweilen in seiner eigenen Welt. Die Kinder Lukas und Emma, stehen jedoch mit beiden Beinen auf dem Boden und nutzen nur allzu gerne die Hinterlassenschaften ihres Erbonkels zur Lösung ihrer eigenen Fälle.
Ein heftiger Sturm tobt über der Nordsee und verschont auch die alte Villa der Familie Janssen, direkt hinterm Deich, nicht. Während zu Hause die zerbrochenen Scheiben repariert werden, zieht es Emma und Lukas an die See. Was mag der Sturm wohl angeschwemmt haben? Auch wenn Lukas Emma vor den Gefahren der Priele warnt, stürzt er sich hinein, da seine Schwester doch eine uralte geheimnisvolle Flasche entdeckt haben.
Das Chaos der Flut haben die Ganoven Lang und Finger jedoch zur Flucht aus dem Gefängnis genutzt, in das sie dank Lukas und Emma gesperrt wurden. Nun sinnen sie auf Rache, werden aber auch von einem durch den Sturm angespültes Schiffswrack magisch angezogen. Dort machen auch sie eine geheimnisvolle Entdeckung.
Die CD beginnt mit dem anfangs geflüsterten Nordseedetektive-Lied gesungen von Bettina Göschl und Matthias-Meyer Göllner in Akustikversion. Das Flüstern hatte mich zuerst irritiert, aber nach mehrmaligem Hören ging mir das Lied mit Gitarrenbegleitung nicht mehr aus dem Ohr. Meinen Töchtern gefiel es auch.
Neben der Detektivgeschichte, die wirklich altersgerechte Spannung aufbaut und erfreulicher Weise die Festnahme der Polizei überlässt, vermitteln die Nordseedetektive nebenbei jede Menge Nordsee- und Detektivwissen. Neben der Gefahr durch Stürme an der See und den Prielen, Plastikmüll im Meer, sowie versunkenen Schiffen, erfahren wir einiges über Geheimschriften. Im Booklet das beiliegt, sind unter den gezeichneten Portraits der Familienmitglieder wichtige Detektiv Utensilien abgebildet. Außerdem sind im Booklet eine vollständige Trackliste, Fotos der Autoren und des Sprechers mit Kurzvita und sämtliche Bücher und Hörbücher der Nordseedetektive abgebildet. Unter dem Tonträger findet sich noch eine weitere Illustration, von dem gestrandeten Schiffswrack.
Meine Tochter (10) mag vor allem die schlauen und logisch denkenden Kinder, während die Eltern eher Lebenskünstler sind, besonders Vater Mick, der auch schon mal gerne sein Krabbenrührei anbrennen lässt, während er von seinen Träumen schwärmt. Auch die Gauner Lang und Finger fand sie lustig. Mich erinnerten sie sehr an Hinky und Pinky von Bibi Blocksberg, die ich ja auch mag, aber die Parallele fand ich schon sehr auffällig, schließlich ist Bibi ein Klassiker.
Robert Missler ist für meine Tochter der Größte und so ziemlich der einzige Sprecher, bei dem es ihr völlig egal ist, wie sein Foto aussehen mag (für vorpubertierende Kinder mag es ansonsten besser sein, die Sprecher ohne Foto abzubilden, die können an jedem Bild etwas aussetzen). Da es ihr absoluter Lieblingssprecher ist, auch wenn inzwischen auch andere Gnade vor ihrem Ohr gefunden habe, erübrigt sich jeder Kommentar zu seiner Sprechkunst. Nein, sie meint, ich solle schreiben, daß er das Hörbuch sehr witzig spricht.
Mir gefallen die wirklich logisch aufgebaute Geschichte und die sensibel pädagogischen Inhalte. Krumme Touren lohnen sich nicht und sind kein Beruf, Ehrlichkeit zahlt sich aus. Die Kinder sind hier auch keine Superhelden, sondern einfach sympathisch und clever. Auch mit dem fünften Band kann man wirklich gut in die Reihe einsteigen, die man sicherlich auch in ungeordneter Reihenfolge hören kann.
Uns hat das Hörbuch richtig gut gefallen und wir empfehlen es sehr gerne mit 4 von 5 Sternen weiter.
Wir bedanken uns ganz herzlich für dieses tolle Hörexemplar beim Jumbo Verlag

Sonntag, 3. Dezember 2017

Pullerpause im Tal der Ahnungslosen, Franziska Gehm, Klett Kinderbuch


Pullerpause im Tal der Ahnungslosen, Franziska Gehm, Klett Kinderbuch
Jobst ist eigentlich ein ganz normaler Zwölfjähriger, aber eigentlich auch wieder nicht. Sein Vater hat sich entschieden, daß er in der falschen Zeit lebt und hat sich mit Hilfe eines Zeitreisekoffers in die Antike abgesetzt. So lebt er mit seiner ziemlich exzentrischen Mutter alleine im heutigen München. Ihre Ferien verbringen sie stets in anderen Zeiten. Als sie von ihrem Sommerurlaub im Mittelalter mit dem Zeitreisekoffer zurückkehren wollen, zieht Susanne die Notbremse, denn sie muss ganz dringend auf Toilette. Dieser Zwischenstopp in der sächsischen Pampa dauert aber länger als geplant. Denn während Susanne hinter einer Häuserecke verschwindet, geht Jobst wie gebannt auf einen Trabi zu. Als er sich umdreht, ist der Koffer weg! Wie sollen sie nun wieder nach Hause kommen? Susanne mit ihrer extrovertierten Art fällt in ihrer Mittelalterkleidung auf wie ein bunter Hund und ehe sie richtig Ärger mit der Volkspolizei oder der Stasi bekommen kann, erklärt Provinztheaterregisseur Frank Kühne den gestrandeten Zeitreisenden Asyl und behauptet, Susanne wäre eine seiner Schauspielerinnen. Mit seiner Tochter Jule und deren guten Kumpel Letscho begibt sich nun Jobst auf die spannende und kniffelige Suche nach dem verschollenen Koffer.
Eine wirklich tolle Zeitreise für heutige Kinder in den damaligen DDR-Kinderalltag, ohne jedoch alltäglich zu sein. Denn die Suche nach dem Koffer gestaltet sich nicht nur schwieriger als Jobst es sich hätte vorstellen können, nein diese Gemeinschaft von drei völlig unterschiedlichen Kindern gegen die Widrigkeiten des Arbeiter und Bauernstaates ist auch echt witzig. Einige witzige Passagen, mögen für mitlesende Eltern noch ulkiger sein, als für die Kinder selbst, da die oft ausufernde sozialistische Propaganda-Nonsense-Sprache für Kinder vor allem merkwürdig klingt, für Erwachsene aber auch Erinnerungen weckt.
Klar, heutige Kinder haben einfach keine Ahnung von dem damaligen Leben in der DDR, dieses Buch schafft es aber wirklich sehr kurzweilig, den heutigen Kindern zumindest eine gewisse Idee davon zu vermitteln. Damit das auch gelingen kann, ist hinten im Anschluß an die Geschichte ein Glossar, hier „kleines Pionierwörterbuch“ genannt, damit Kinder nachschauen können was z.B. ein „Klassenfeind“ war, oder wer „Erich Honecker“ oder „Karl Marx“ waren.
Meine Kinder (10 und 8 Jahre) wurden durch Jobst, Jule und Letscho sehr zum Nachdenken angeregt und so kamen bei uns immer wieder lebhafte Diskussionen über Demokratie, gefüllte Supermärkte, freie Wahlen und gestern sogar die „Bannmeile“ und die „Weltklimakonferenz“ auf. Ich finde es super, daß wir so nicht nur Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte bekamen, sondern auch über politische Systeme und damit auch irgendwie unsere aktuell schwierige Regierungsbildung diskutierten.
Hierdurch haben wir natürlich viel länger gebraucht, das Buch zu lesen, als es für das spannende Abenteuer nötig wäre, aber hier war irgendwie der Weg das Ziel. Natürlich habe ich auch einiges gelernt, denn während ich mich gut über Jobst bisweilen mehr als nur exzentrische Mutter amüsierte, lernte ich, daß alle Mütter immer peinlich sind, Väter manchmal (nein unserer ist nicht in die Antike abgetaucht). Das wollte ich ja eigentlich lieber nicht wissen….
Sehr schön fand ich auch die Illustrationen von Horst Klein im Inneneinband, das beschriftete Fotografien der Hauptprotagonisten in einem Schaufenster darstellt, inklusive des allgegenwärtigen Portraits von Erich Honecker, für Jobst nur kurz der „Obstonkel“, weil sein Bild sogar die Auslage des Obstladens zierte, aus Mangel an anderer Deko oder Auslage.
Sehr interessant fand ich auch die These für Honeckers starren Blick und andere tiefere Einblicke in das Leben eines Staatsratsvorsitzenden der Deutschen Demokratischen Republik. Wie viel Wahrheit dahinter steckt, werde ich wohl nie erfahren.
Auf dieses Werk wurden wir anlässlich einer Lesung der Autorin Franziska Gehm beim rheinischen Lesefest Käptn Book aufmerksam. Die geistige Mutter der Vampirschwestern und der Vulkanos, ist nämlich selbst 1974 in der DDR geboren und gehört somit einem der letzten Jahrgänge an, die sich noch richtig an ein Aufwachsen in der DDR erinnern können. Dieses Gefühl will sie auch an die heutigen Kinder weitergeben, aber mit Spaß und Spannung. Meine dort geborenen Freunde haben mir alle versichert, daß es eigentlich ganz schön gewesen wäre, dort aufzuwachsen, wir sind einfach die Generation, für die die Mauer gerade im richtigen Moment fiel. Als Kind habe man gar nicht so viel vermisst und ein Leben ohne Mikrowelle und Bananen war durchaus möglich.
Auch wenn die Geschichte lustig ist, will sie die damaligen Probleme, die zum Fall des Regimes nicht übergehen und sie klingen auch durchaus an. Sie belasten aber weder die Geschichte noch das Leseerlebnis. Denn mit Spaß lernt man einfach lieber!
Ein tolles Buch für alle die in der DDR aufgewachsen sind und dieses Gefühl ihren Kindern vermitteln wollen, ohne sie zu belasten und ohne den belehrenden Zeigefinger. Aber nicht nur für die, denn zu denen gehöre ich aus dem tiefsten Westen stammend auch nicht. Es ist einfach ein wirklich tolles Stück deutsch-deutscher Geschichte, fernab von den üblichen Erzählweisen.
Kommentar meiner Jüngsten: Die Geschichte war toll!
Na, da sind wir uns wohl alle mit 5 von 5 Sternen einig!

Samstag, 2. Dezember 2017

The book of dust: La Belle Sauvage, Philip Pullman, Pinguin



The book of dust: La Belle Sauvage, Philip Pullman, Pinguin
Die ist eine Prequel zu “Der Goldene Kompass” und wie auch schon bei “His dark materials” ist auch das Prequel wohl als Triologie angelegt worden, 22 Jahre später.
Es empfiehlt sich gewisse Grundkenntnisse mitzubringen, denn der Autor scheint vorauszusetzen, daß man die „His dark materials“ Triologie kennt.
Die Geschichte spielt in einem Paralleluniversum, ähnlich dem unsrigen, aber nicht ganz und auch in einer etwas früheren Zeit. Gekocht wird mit Feuer, Telefon gibt es nicht, dafür aber was Ähnliches wie Helikopter. Jeder Mensch hat einen Dämon, mit dem er von Geburt an, Zeit seines Lebens, verbunden ist. Dämon und Mensch sind können sich nur unter großen Schmerzen räumlich voneinander entfernen, sie bilden eine Einheit. Der Mensch kann auch durch die Augen seines Dämons sehen. Während der Kindheit können die Dämonen noch Form und Gestalt wechseln und sich so den Bedürfnissen ihres Menschen anpassen, wenn sie z.B. Nachts zu seiner Eule werden, um besser sehen zu können. Sobald der Mensch ausgereift ist, steht die endgültige Natur des Dämons fest und es gibt keine Verwandlung mehr.
Nun zur Geschichte: der elfjährige Malcolm und sein Dämon Asta leben mit seinen Eltern im Gasthaus „Trout“ und hilft selbstverständlich mit. Dennoch mag er die 15 jährige verstockte Spülhilfe Alice nicht. Die zwei haben eine Art Waffenstillstand geschlossen. Als pfiffiges Kerlchen hilft Malcolm auch im benachbarten Kloster aus und in seiner Freizeit ist er gerne mit seinem Kanu unterwegs. Eines Nachts kommen seltsame Gäste in den Trout und erkundigen sich nach dem Kloster und ob dort ein Baby aufgezogen wird. Als er der Frage nachgeht lernt er Baby Lyra kennen, daß von der Küchenschwester versorgt wird. Lyra ist die Tochter von Lord Asriel und Mrs. Coulter aus dem Goldenen Kompass. Das religiös-fanatische Magisterium will Lyra unbedingt in seine Gewalt bringen und setzt seinen Geheimdienst und den durchtriebenen, in Ungnade gefallenen Gerald Bonneville auf Lyra an. Sowohl Malcolm, als auch Alice schließen die hilflose Lyra schnell in ihr Herz. Das ist auch Lyras einziger Schutz, denn die zwei retten sie, als die Welt wie sie sie kennen unter einer Flut zu ertrinken droht.
Das Buch fängt richtig super an. Neben Malcolm, Alice und Lyra lernt man noch viele andere spannende Charaktere kennen. Besonders Dr. Hannah Relf habe ich ins Herz geschlossen. Sie ist eine Professorin für die Geschichte der Ideen und führt Malcolm ein, in ein viel breiteres Gedankenspektrum. Sie leiht ihm Bücher und diskutiert mit ihm darüber. Ihr erzählt Malcolm alles Besorgniserregende oder Auffällige was er erlebt oder beobachtet. Denn Dr. Relf arbeitet für Oakley Street, eine Geheimorganisation, die sich dem Magisterium widersetzt. Gerade diese Passagen, in denen es um Geheimbünde und Spionage geht finde ich sehr spannend. Die Organisation, die Struktur, aber auch der tiefe Einblick in das sich immer stärker zusammenbrauende Böse des Magisteriums. Da fällt es nicht schwer beim Lesen unwillkürlich Vergleiche mit Diktaturen in unserer realen Geschichte zu ziehen und zu erschaudern. Leider verlässt uns Dr. Relf mit Ende von Teil 1. Teil zwei schildert die Flucht der Kinder durch die unendlichen Fluten in Malcolm kleinen Kanu. Es ist toll mitzuerleben wie Malcolm und Alice einander näherkommen, die Abneigung sich auflöst und einer tiefen Verbundenheit und Vertrauen weicht. Sie haben unheimlich spannende Aufgaben auf ihrem Weg durch die Wasserödnis zu bewältigen. Doch leider entgleitet Teil 2 gegen Ende. Während Malcolms Welt bisher noch relativ real war, wird sie plötzlich einfach so bizarr und mystisch. Das stellt für mich wirklich einen Bruch innerhalb des Buches dar. Er scheint für mich der inneren Logik des Buches zu widersprechen. Auch der Aufbau von Dr. Relf als wirklich zentralen Charakter, der plötzlich nicht mehr auftaucht, im Gegensatz zu vielen anderen, ließ mich unbefriedigt zurück. Während ich anfangs noch total begeistert war, hat mich das etwas enttäuscht. Ich hoffe sehr, daß Pullmann in seinem nächsten Band, der hoffentlich nicht wieder 22 Jahre auf sich warten läßt, zu seiner Form aus dem ersten Teil des Buches zurückfindet. Noch will aber wissen wie es weitergeht, noch hat er mich nicht als Leser verloren.
Sprachlich kann man Pullmann sehr gut folgen, auch wenn man bisweilen die Tiergestalt der Dämonen oder nautische Begriffe nachschlagen muß. Gerade bei den nautischen Begriffen mußte ich aber feststellen, daß mir das deutsche Wort ebenso wenig sagt, wie das englische. Ich habe einfach keine Ahnung von der Seefahrt, was dem Spaß an dem Buch aber keinen Abbruch tut.
Ein stellenweise sehr fesselndes Buch, aber leider durch den Bruch in der Geschichte kann ich nicht mehr als 3,5 Sterne vergeben (d.h. etwas besser als Mittelmaß).

Freitag, 1. Dezember 2017

Als der Weihnachtsmann seinen Bauch verlor: 24 Weihnachtsgeschichten für Kinder, Marit Bernson, Stella Chitzos



Als der Weihnachtsmann seinen Bauch verlor: 24 Weihnachtsgeschichten für Kinder, Marit Bernson, Stella Chitzos
Dieses kleine feine Weihnachtsgeschichtenbuch erzählt in 24 kurzen Geschichten von ganz unterschiedlichen Erlebnissen der Weihnachtszeit. Stopp, es sind nur 22 Geschichten, dafür aber noch zwei Gedichte. Für alle die ein Buch suchen, daß sie Kindern als Adventskalender vorlesen können, ist dieses sehr gut als Gute-Nacht-Adventskalender geeignet.
Es sind kleine feine Geschichten mit einem Funken Weihnachtsmagie. Das bisweilen Traditionelle wird mit dem Besonderen gepaart, ohne daß es ins Fantasy-Genry abdriftet. Es geht nicht um das Spektakuläre, sondern das Herzerwärmende.
So begleiten wir den Weihnachtsmann und seine Rentiere auf Geschenketour und erleben, was passiert, wenn ein übereifriger Elf, zu wilde Manöver fliegt.
Der Weihnachtsmann ist so im Stress, daß er vor lauter Arbeit das Essen vergisst und so dünn wird, daß ihm die Hose rutscht und er gar nicht mehr nach Weihnachtsmanna aussieht. Eine sehr lustige Vorstellung, fand meine Floh-Tochter.
Was passiert eigentlich, wenn bei einem Schokoadventskalender hinter einem Türchen die Schokolade fehlt? Auch das kann zu wunderbaren Erlebnissen führen.
Größere Geschwister, die die Kleineren auf das Kinderkarussell begleiten, werden mit einem Schlittenflug zum Nordpol belohnt.
Selbst ein Stromausfall an Heiligabend hat etwas besinnlich Gemütliches, wenn man im Kreise seiner Lieben bei Kerzenschein feiert.
Wenn man an Heiligabend bei Opa und Oma ist, während die Eltern im Krankenhaus auf die Geburt des Geschwisterchens wartet, scheint alles traurig und trüb. Doch wenn man dann erstmal den kleinen Bruder sieht, ist es dann doch das schönste Geschenk.
Jede Geschichte ist anders, doch jede hat ein Wohlfühlende, meint meine Jüngste. Sprachlich sind die einzelnen Episoden bildhaft und gut verständlich geschildert.
Alle Geschichten werden von einem Funken Magie geprägt und sei es die Magie der Liebe. Auch in der Kürze vermag Marit Bernson jede Menge Weihnachtsstimmung und Abwechslung zu vermitteln. Durch die Kürze können auch schon kleine Kinder zuhören, die noch eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben, oder Leseanfänger, die Geschichten in Fibelschrift selbst lesen (die Schrift ist aber nicht sehr groß, angenehm, aber nicht riesig).
Jede Geschichte wird mit einer liebevollen Illustration von Stella Chitzos geschmückt. Diese entsprechen stilistisch dem Cover und heben sich mit ihrer nostalgischen Realitätsnähe von den meisten aktuellen Illustrationen ab. Weihnachten versprüht ja auch heute noch den Charme des Althergebrachten.
Die Autorin Marit Bernsen wurde 1977 in Mecklenburg geboren und studierte in Kassel und Berlin. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann und ihren Kindern in Oberfranken, wo sie Kinderbücher, Liebesromane und humorvolle Geschichten schreibt und verlegt.
Illustratorin Stella Chitzos wurde 1978 geboren und arbeitete zuerst als Diplom-Grafik-Designerin in einer Werbe- und Eventagentur, ehe sie sich selbstständig machte. Neben der freiberuflichen Tätigkeit für verschiedene Agenturen, illustriert sie Kinderbücher. Sie lebt mit ihrer Familie in Erkrath.
Wem noch einfällt, daß er noch gar kein Adventskalenderbuch für dieses Jahr hat, kann sich dieses ganz schnell noch auf seinen e-reader oder sein Handy laden, es ist aber auch als Taschenbuch erhältlich, dann wird es aber zeitlich etwas knapp.
Uns haben diese Geschichten und Gedichte richtig gut gefallen. Natürlich haben wir unsere Lieblinge, aber alle sind wirklich schön, keine hat unsere Erwartungen getäuscht und wir haben uns stets auf die nächste gefreut.
Wir bedanken uns ganz herzlich für dieses wunderbare Rezensionsexemplar und geben gerne 4,5 Sterne, da wir einige Geschichten doch noch schöner als andere fanden.

Donnerstag, 30. November 2017

Die Muskeltiere: Picandou und der kleine Schreihals, Ute Krause, gelesen von Andreas Fröhlich, cbj audio



Die Muskeltiere: Picandou und der kleine Schreihals, Ute Krause, gelesen von Andreas Fröhlich, cbj audio
Es ist Nacht und der mutige Mäuserich Picandou erwacht von einem kratzenden Geräusch am Kellerfenster. Die Rattenbande kommt während eines Zwischenstopps ihres Kreuzfahrtschiffes im Hamburger Hafen zu Besuch und stellen ihren Jüngsten, den kleinen Rattibor vor. Er ist winzig, zahnlos und kann nicht viel mehr als Mama, Papa und Tortääää sagen. Letzteres kann er sogar brüllen, wenn er nicht seinen Willen bekommt und wenn das immer noch nicht hilft, hält er die Luft an, bis er blau anläuft. Picandou ist ziemlich genervt von dem Kleinen, auch wenn der ihn besonders ins Herz geschlossen zu haben scheint. Die liebliche Rattendame seines Herzens, Gruyère Joséphine, findet ihn dennoch total süß. Nach der wilden Party erwachen die vier getreuen Freunde Picandou, Gruyère, Pomme de Terre und Hamster Bertram von Backenbart in ihrer Höhle im Keller unter dem Feinkostladen und stellen fest, daß Rattibor bei ihnen geblieben ist. Schnell machen sie sich auf den Weg, um den Kleinen in den Hafen zu bringen, ehe das Schiff gegen Mittag in den See sticht. Doch Rattibor will einfach nicht hören und so wird es eine Reise voller Abenteuer, die alles bisher Erlebte in den Schatten stellt.
Ute Krause ist nicht nur eine preisgekrönte Kinder- und Jugendbuchautorin, sondern auch eine begnadete Illustratorin. Bei dieser Reihe hat sie die Illustrationen alle selbst gefertigt und sie passen einfach hervorragend. Damit die Hörer dieser Reihe nicht völlig diesen Genuss entbehren müssen, sind auch die Tonträger mit diesen bedruckt und das Booklet enthält eine kleine Einführung in die Reihe mit einer Illustration des Feinkostladens, und der vier Muskeltiere mit Kurzvorstellung.
Andreas Fröhlich liest auch diesen Band wieder richtig großartig. Er schafft es nicht nur den hanseatischen Ton genau zu treffen, sondern trifft genau den Humor der Reihe. Gerade dieser feine Humor zwischen den Zeilen, macht diese Reihe auch für die Eltern zum Genuss. Mit dem kleinen Tortääää-Schreihals schafft er es auch dem neuen Charakter eine unvergleichliche Stimme zu verleihen.
Auch wenn dieser Band deutlich kürzer ist als die Vorgänger, so ist er wieder richtig spannend und witzig. Picandou als Vater wider Willen, ist schon sehr witzig, ebenso die Sicht der Nager auf unsere Zweibeinerwelt (immer diese weißen Schränke in den Küchen, in denen es so dunkel und kalt ist!). Trotz der veränderten Zielgruppe, blitzt der Schalk der Autorin durch, wenn sie die Tricks und Macken des kleinen ungezogenen Rattibor beschreibt und die Reaktion der Erwachsenen. Gruyère schmilzt dahin, während Picandou eigentlich nur genervt ist und alles tut, um den Kleinen wieder loszuwerden. Aber nein, dieses Buch zeigt Kindern nicht, was sie für eine Qual sind, aber es macht schon deutlich, welche Gefahren aus Ungehorsam entstehen können. Aber vor allem ist es wieder ein echtes tierisches Abenteuer, in dem nur bestehen kann, wer zusammen hält: Einer für alle, alle für einen!
Natürlich gibt es ein glückliches Ende für alle Beteiligten, nur nicht für die Tortääää!
Bei dieser Reihe ist es wirklich sehr schwierig sich zwischen dem Buch und dem Hörbuch zu entscheiden.
Meine Töchter lieben auch mit 8 und 10 Jahren die Geschichten noch, waren aber etwas traurig, daß es diesmal so kurz war. Ein längeres Abenteuer hätten Picandous und Bertrams Nerven wohl auch nicht ausgehalten!
Ein Hoch auf die Muske(l)tiere! Wie stets zauberhafte 5 von 5 Sternen und ein herzliches Dankeschön an cbj-audio für dieses umwerfende Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 29. November 2017

Eine Klasse für sich – Das Klogespenst, Pamela Butchart, Becka Moore, Orelli Füssli



Eine Klasse für sich – Das Klogespenst, Pamela Butchart, Becka Moore, Orelli Füssli
„Eine Klasse für sich“ ist ein Leseanfängerbuch mit drei Geschichten aus der sehr lebhaften und fantasievollen Klasse von Frau Miller, welche sehr bunt gemischt und multi-kulti ist.
Da es sich um ein englisches Kinderbuch handelt, sind die Namen auch für heutige Verhältnisse etwas ungewohnt, aber das wundert heute kein Kind mehr.  Da die Klasse mit Lehrern immerhin 17 Personen enthält ist vor dem Inhaltsverzeichnis noch quasi ein Klassenbild mit Namen auf 2 Seiten abgebildet. Dort kann man während des Lesens immer schnell nachschauen, wer wer ist.  Ebenso wie der Rest des Buches, bis auf das Cover, ist dieses dreifarbig illustriert von Becka Moor.
Das Buch enthält folgende Geschichten:
1.     Das Klogespenst: Einmal als Nick während des Unterrichts auf Toilette muss, kommt er klitschnass von dieser zurück. Er wollte sich doch nur nach dem Toilettengang die Hände waschen und als er den Wasserhahn aufdrehte wurde er von oben bis unten nass gespritzt, das kann nur ein Klogespenst gewesen sein. Klar daß da die Kinder nachforschen Müssen und ganz erstaunliche Entdeckungen machen.
2.     Der stinkende Zauberschuh: Die Klasse führt eine Talentshow auf und jeder muß sich eine besondere Nummer zum Vorführen ausdenken. Milo und Julian kündigen einen Zaubertrick an. Milos Schuh ist ein Zauberschuh und kann die Zukunft voraussagen! Als die erste Vorhersage zutrifft sind alle ganz beeindruckt und wollen natürlich auch wissen, was sie zu erwarten haben. Da wird es langsam kniffelig.
3.     Der uralte Fluch: Endlich ist wieder Mitbringstunde. Alle Kinder dürfen etwas von zu Hause mitbringen, nur nicht ihre Haustiere. Ben hat diesmal etwas ganz besonderes in einem festverschlossenen Schuhkarton dabei: einen uralten Fluch, den er auf dem Spielplatz im Gebüsch eingefangen hat! Kaum daß sie den Karton öffnen, fangen alle ganz verzweifelt an sich zu jucken. Wie werden sie diesen Fluch nun wieder los?
Die drei Geschichten sind sehr einfach geschrieben, wie aus Kindersicht geschildert. Dadurch ist es auch sehr einfach zu lesen, selbst für Leseanfänger. Allerdings muß man immer bedenken, daß es ein Schweizer Kinderbuch ist und die Schweizer und Österreicher bei der Rechtschreibreform ganz konsequent das „ß“ abgeschafft haben (da bin ich echt neidisch!). Beim Vorlesen spielt dies aber überhaupt keine Rolle, da die meisten Eltern die neuen Regeln wahrscheinlich immer noch nicht kennen. Die Schrift ist sehr angenehm groß und einige besonders zu betonenden Ausrufe oder Begriffe sind dann noch zur Hervorhebung oder Betonung extra fett und extra groß gedruckt. Das lockert die Geschichten zusätzlich auf und macht einfach Spaß.
Es sind einfach kleine lustige Kindergeschichten, die von kindlicher Vorstellungskraft und planmäßig ungeplanten Unsinn berichten. Dabei erweisen sich die kleinen Schüler als sehr fantasievoll aber auch als echte Einheit. Wenn es darauf ankommt halten sie zusammen, bei all den kleinen Mogeleien zwischendurch. Die Autorin Pamela Butchart unterrichtet heute Teenager in Dundee (Schottland) in Philosophie. Vielleicht sind es gerade diese Gespräche, die ihre eine treffliche Einsicht in die kindliche Denkweise ermöglichen.
Meine Kinder fanden den Titel schon toll und die Geschichten  auch sehr lustig und originell, gerade eben auch wegen der Schilderungen aus Kindersicht. Die Illustrationen gefielen ihnen aber weniger. Warum genau haben sie nicht näher begründet, was etwas erstaunlich ist, da sie nach Auspacken des Buches sofort riefen: au ja, das lesen wir!
Ach ja, und als wir das Buch beendet hatten, sagten beide: dürfen wir davon auch noch mehr Geschichten lesen? Auch wenn sich dieses Buch an die Zielgruppe der  5 – 7 Jährigen richtet kommt es auch bei Älteren noch gut an.
Ein wirklich schönes Buch, aus einer Reihe, die wir im Auge behalten werden.
Gerne vergeben wir gute 4 von 5 Sternen und bedanken uns ganz herzlich für das kurzweilige Leseexemplar beim Verlag Orelli Füssli.

Montag, 27. November 2017

Ein Einhorn taucht unter – Der Krimi für die Wanne, Claudia Puhlfürst, Edition Wannenbuch



Ein Einhorn taucht unter – Der Krimi für die Wanne, Claudia Puhlfürst, Edition Wannenbuch
Stefan liegt in der Wanne und leert angenervt die angeblich letzte Flasche Einhorn-Duschgel, mit „Glücksklee-Extrakt“, mehr farbigem Glitter und regenbogenfarbigen Schaum. Die Krönung ist natürlich der Bonbon-Geruch - widerlich! Der Einhornfimmel seiner Angetrauten Julia geht ihm auf dem Keks! Ein letztes Mal macht er gute Miene zum bösen Spiel und pfeift Mickie Krauses Einhorn-Song.
Julia steht angewidert vor der Badezimmertür. Ihr Mann ist ein ekelhaftes Riesenbaby, wie er so in der Wanne plantscht und mit den Schaummassen spielt. Schnell die Gesichtsmuskeln zurechtrücken, ehe sie ein letztes Mal das Bad betreten will, um gute Miene zum bösen Spiel zu machen und dann…
Dieser Krimi für die Wanne ist echt böse und trieft vor schwarzem Humor. Unter alldem Einhornkitsch schlummert das Böse. Die Bücher der Edition Wannenbuch versprechen, daß sie in 15 Minuten gelesen sind und absolut wasserfest! Dieses Versprechen hält dieses Buch auf jeden Fall! Das schöne ist, daß Claudia Puhlfürst, die erfolgreiche Krimiautorin es versteht, den Spaß in die Sprache zu packen. Bei diesem Krimi gibt es zwar am Ende eine echte Pointe, aber sie packt so viel schwarzen Humor in ihre Sätze, daß es auch in Kenntnis der Pointe durchaus Spaß macht, den Krimi bei einem erneuten Badegang nochmal zu lesen.
Herrlich wird der aktuelle Einhorntrend auf den Arm genommen, bei dem Einhörner auf dem Toilettenpapier, dem Duschgel, dem Sekt, den Keksen u.ä. einfach nicht fehlen dürfen.
Da es nur ein Kurzkrimi ist, kann der Leser keine komplizierte Ermittlungsarbeit erwarten, aber das ist ja auch gar nicht immer nötig. Mordwille, Mordmotiv und Mordwaffe sind auf jeden Fall da und garantieren einen Mordsspaß.
Wer also noch dringend zu Weihnachten, einen Krankenbesuch oder zum Wichteln eine Kleinigkeit benötigt, ist mit diesem Krimi für die Wanne bestens bedient – einzige Bedingung, es darf kein Schrottwichteln sein. Dafür wäre das Buch einfach zu schade. Die Geschichte ist originell, das Buch gewohnt solide und haptisch wirklich angenehm. Mit 5,- € Kaufpreis liegt das Buch auch definitiv im Wichtel-Preisrahmen und es wird sich positiv von all dem anderen Quatsch der üblicherweise absetzen. Da braucht man sich als Schenker weder zu verstecken, noch unter zu tauchen.
Prima Mitbringsel, Wichtelgeschenk oder „nur so“ Spaß! 5 von 5 Sternen für diesen kurzweiligen Wannenspaß!